Trotz all dieser Einschränkungen überwiegt unter Experten der Optimismus. Der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft etwa erhofft sich Impulse von einem baldigen Beitritt Russlands in die Welthandelsorganisation WTO. "Wir erhoffen hier für 2010 einen Durchbruch", sagt Klaus Mangold, Vorsitzender des Ausschusses. Mangold begrüßt zudem die Annäherung von Russland und der Europäischen Union (EU). "Die EU und Russland wollen ihre strategische Partnerschaft ausbauen", sagt er. "Wichtig sind jetzt mutige Schritte sowohl der neuen EU-Kommission als auch Russlands zur Verhandlung eines neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommens."
Handlungsbedarf erkannt: Russlands Präsident Medwedjew muss die Wirtschaft modernisieren
"Nach der Korrektur der letzten Wochen ist der russische Markt wieder attraktiv", sagt Angelika Millendorfer, Managerin des "Russland Aktienfonds" von Raiffeisen Capital Management. "Innerhalb der Emerging Markets ist Russland nach wie vor einer der billigsten Märkte."
Einzige Unwägbarkeit neben dem Ölpreis und der globalen Wirtschaftserholung ist laut Millendorfer die Sorge an den Märkten um die Staatsschulden vieler Länder. "Wenn die Lage in Griechenland eskaliert, dann trifft das natürlich auch den russischen Markt", sagt sie. "Dabei ist der dortige Staatshaushalt trotz des zuletzt entstandenen Defizits deutlich gesünder als die meisten der etablierten Industrieländer."
Neben Öl- und Gaswerten bevorzugt Millendorfer aufgrund der günstigen Bewertung die Telekombranche. Zudem hält sie den Bankensektor für attraktiv. "Die Banken haben den Großteil ihrer Probleme gelöst", sagt sie. "Die Abschreibungen liegen im wesentlichen hinter ihnen, die Gewinne steigen wieder."
Das sieht auch DWS-Manager Dzhaparov so. "Die Kreditausfälle lassen nach und die Kreditvergabe der Banken steigt", sagt er. "Insgesamt hat der Finanzsektor in Russland gewaltiges Potenzial. Die private Kreditvergabe ist noch unterentwickelt und auch das Kreditkartengeschäft befindet sich erst in den Kinderschuhen."
Dzhaparov setzt zudem auf Versorgertitel. "Seit einigen Jahren wird die Privatisierung staatlicher Unternehmen in diesem Sektor vorangetrieben", sagt er. "Das bringt mehr Wettbewerb in den Markt."
Das wohl der Aktienmärkte hängt nach Ansicht des Fondsmanagers neben der weltweiten Erholung vor allem am Schicksal Chinas. "China ist der wichtigste Rohstoffnachfrager für Russland", sagt Dzhaparov. "Bleibt das Land beim Wachstum, dann geht es auch in Russland weiter bergauf."
Sollte die Wirtschaft in China jedoch schwächeln, so hätte das fatale Folgen für Russland und die dortige Börse. Der Markt, da ist sich der Experte sicher, würde stärker einbrechen als andere.
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