Hamburg - Bald ist Frühling, auch in Russland. Entsprechend ist die Stimmung im Lande. Die Wirtschaftskrise ist zunächst mal überwunden, es geht wieder aufwärts. 3,6 beziehungsweise fast 5 Prozent Wachstum trauen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die OECD dem Land im laufenden Jahr zu. Der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft frohlockt bereits, Russland könne wieder zur Konjunkturlokomotive der Region werden.
"Die Wirtschaftsleistung wird 2010 zwar nicht wieder so zulegen wie vor der Krise", meint auch Odeniyaz Dzhaparov, Manager des Fonds "DWS Russia" der Deutsche-Bank-Tochter DWS. "5 Prozent Plus, wie auch von staatlichen Stellen in Moskau prognostiziert, sind aber plausibel."
Noch vor kurzem sah es ganz anders aus, rechts und links vom Ural. Wie kaum ein anderes Schwellenland war Russland von der Weltwirtschaftskrise erfasst worden. Die Börsenkurse in Moskau rauschten schon 2008 um mehr als 70 Prozent in den Keller. 2009 folgte dann die Realwirtschaft. Um nicht weniger als 9 Prozent ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut IWF im vergangenen Jahr zurück.
Russland hebt sich damit deutlich von den übrigen BRIC-Staaten ab. Brasilien und vor allem Indien und China kamen wesentlich glimpflicher durch die Krise.
Steil abwärts, und steil wieder nach oben, könnte es nun aber heißen. Die Börse hat einen Großteil der Erholung schon vorweggenommen. Um beinahe 130 Prozent legte der Standardindex RTS im vergangenen Jahr zu - gemessen in Rubel. In Euro blieben immerhin noch plus 117 Prozent.
Ob die Wirtschaft tatsächlich auf Erholungskurs bleibt, hängt davon ab, inwieweit die positiven Kräfte der vergangenen Monate weiter wirken. "Neben der generellen Erholung der Weltwirtschaft spielt die aufkeimende Binnennachfrage eine wichtige Rolle", sagt Dzhaparov. "Entscheidend aber ist der wieder gestiegene Ölpreis." Nach wie vor beherrscht der Öl- und Rohstoffsektor die russische Wirtschaft, so der Experte.
Dabei sollte der Preis für das schwarze Gold ein kritisches Niveau allerdings nicht überschreiten. "Der Preis befindet sich zurzeit in einer komfortablen Zone", so Dzhaparov. "Er ist ausreichend hoch, um der Wirtschaft gut zu tun. Wenn er jedoch noch weiter steigt, könnte er die Regierung davon abhalten, die notwendigen Reformen weiter zu verfolgen."
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