Von Nils-Viktor Sorge und Karsten Stumm
Hamburg - Einst haben sie Griechenland-Bonds wegen ihrer hohen Zinsen gekauft, jetzt wollen deutsche Geldhäuser diese Wertpapiere am liebsten aus ihren Büchern haben. Die Münchener Hypo Real Estate beispielsweise erwägt, griechische Staatsanleihen gleich an die "Bad Bank" des Hauses weiterzureichen. In jenes Rettungsvehikel also, in das die verstaatlichte Bank bereits eine Vielzahl einst unverkäuflicher Problempapiere aus der Finanzkrisenzeit ausgelagert hat - zum eigenen Schutz. Und die Münchener stehen mit ihrer Vorsorgestrategie gegenüber griechischen Staatspapieren nicht allein.
Den gleichen Schachzug plant offenbar die Düsseldorfer WestLB. Nach Informationen aus Kreisen der Bankbesitzer wollen sich die nordrhein-westfälischen Banker nicht vorwerfen lassen, zu lange mit Vorsichtsmaßnahmen gezögert zu haben. Wie hoch der Bestand an griechischen Staatsanleihen ist, der in den Tresoren der Düsseldorfer Bank lagert, ist derzeit noch nicht bekannt.
Insgesamt allerdings ist das Engagement deutscher Geldhäuser in Griechenland nicht ausufernd. Nach Angaben der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben hiesige Finanzinstitute dem griechischen Staat - Stand Ende September 2009 - 29,5 Milliarden Euro geliehen. Darunter zählt die Hypo Real Estate mit 4,5 Milliarden Euro nach bisherigen Angaben zu den größten Gläubigern Griechenlands. Der Münchener Versicherungskonzern Allianz gab sein Griechenland-Engagement vor einigen Tagen mit 3,6 Milliarden Euro an. Darüber hinaus sollen Finanzkreisen zufolge vor allem hiesige Pensionskassen zu jenen Finanzinstituten zählen, die sich einst mit griechischen Staatsanleihen im Rahmen ihrer erlaubten Möglichkeiten einen Renditeschub für ihre Pensionäre sichern wollten.
Deutlich bedenklicher allerdings als die Kreditpositionen der deutschen Finanzinstitute gegenüber Griechenland ist die Bedeutung, die hiesige Banken für die gesamten Gruppe europäischer Staaten mit wachsenden Schuldenproblemen haben. Nach Angaben der BIZ-Statistiker zählt die Bundesrepublik sogar zu den bedeutendsten Kreditgebern für Schuldner in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien insgesamt - und in manchen Fällen sind sie sogar die Nummer eins unter den Geldgebern.
So führen Deutschlands Finanzinstitute beispielsweise die Kreditgeberangliste in Irland und Spanien an; dortige Unternehmen und die Staaten selbst stehen hierzulande offenbar mit 132 Milliarden sowie 164 Milliarden Euro in der Kreide. Insgesamt haben sie in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien insgesamt fast eine halbe Billion Euro dort investiert.
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