Von Karsten Stumm
mm: Wenn Barack Obamas Regierung in der Tradition ihrer Vorgängerregierungen stehen wird, könnte man auf weitere Deregulierungen für die Wall-Street-Banker rechnen. Sowie Zinssenkungen der Zentralbank. Und notfalls noch Steuersenkungen auf Pump. Das haben die Amerikaner schließlich der Welt über Jahre geraten.
US-Regierung rettet Autoriesen GM: Staatseingriff zulasten der Autohersteller auch in Deutschland
mm: Was bleibt den Amerikanern also, wenn ihre althergebrachten Wirtschaftspolitik nicht mehr für die Zukunft taugt?
Stelter: Die US-Regierung wird versuchen, in den Vereinigten Staaten wieder für eine neue Blütezeit der Industrie zu sorgen, um Jobs, Jobs, und noch mehr Jobs zu schaffen. Und zwar mit Staatshilfe. Als Reaktion darauf müssen wir aber damit rechnen, dass die Regierungen in Europa und Asien zurückschlagen werden - ebenfalls mit Staatseingriffen, denn auch dort müssen sich Politiker zwischenzeitlich Wahlen stellen.
mm: Je zäher die Wirtschaftserholung wird, desto mehr Staatseinfluss werden wir also weltweit haben?
Stelter: Ja. Vor allem der Schutz inländischer Arbeitsplätze und Industrien wird sehr bald kräftig vorangetrieben werden. Schließlich müssen Politiker dafür kein Geld ausgeben, sondern nur die entsprechenden Gesetze erlassen. Das ist für Parlamentarier ein Riesenvorteil in Zeiten von Haushaltsnotständen.
mm: Aber das wäre auch ein Riesennachteil für die Exportnation Deutschland, deren Unternehmen vielfach für den Verkauf ihrer Waren auf offene Grenzen ins Ausland angewiesen sind.
Stelter: Genau. Deshalb erleben wir derzeit wirtschaftlich auch nur eine Zwischenstabilisierung. Die Periode der Anpassung, die Durststrecke, wird noch Jahre dauern.
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