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12.02.2010
 

Deutsche Wirtschaft

"Unsere Durststrecke wird Jahre dauern"

Von Karsten Stumm

Die Bundesrepublik findet nicht aus der Wirtschaftskrise. Der kleine Zwischenspurt in den vergangenen Monaten ist vorerst gestoppt. Daniel Stelter, Partner des Beratungshauses Boston Consulting Group, hatte den Einbruch vorhergesagt. Jetzt bereitet er die Bundesbürger auf lange und bittere Jahre vor - und auf Arbeitslosigkeit.

mm: Herr Stelter, das Herz der deutschen Wirtschaft ist getroffen. Die erste Erholung ist Ende des vergangenen Jahres schon wieder erloschen, wie heute bekannt wurde. Und nicht mal der deutsche Maschinenbau wagt, für dieses Jahr von einem kleinen Aufschwung zu sprechen. Was kann uns eigentlich helfen, wenn schon nicht diese eigentlich so wettbewerbsfähige Branche nach oben zurückfindet?

Industrie ohne Aufträge: Erholung der deutschen Wirtschaft ist ins Stocken geraten
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DDP

Industrie ohne Aufträge: Erholung der deutschen Wirtschaft ist ins Stocken geraten

Stelter: Die Lage ist prekär, das ist wahr. Denn die Maschinenbauer stehen beispielhaft für viele Unternehmen hierzulande. Deshalb müssen wir damit rechnen, dass es nach einer kleinen, aktuellen Erholungsphase wohl eher zickzackweise mal rauf, mal runter gehen wird. Aber zu dem guten Niveau aus dem Jahr 2007 finden wir auf absehbare Zeit nicht zurück.

mm: Wie lange werden wir denn wohl brauchen, um neu durchstarten zu können?

Stelter: Lange, bittere Jahre. Nach unseren Analysen* werden die westlichen Volkswirtschaften, und damit auch Deutschland, auf mehrere Jahre hinaus nur geringe Wachstumsraten aufweisen.

mm: Heute wurde auch bekannt, dass die Steuereinnahmen des Bundes im Januar um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen sind. Das ist dreimal so stark, wie vom Arbeitskreis Steuerschätzung für das Gesamtjahr veranschlagt. Müssen sich die Deutschen jetzt ständig auf negative Überraschungen einstellen?

Stelter: Die Crux ist leider gerade, dass sich das niedrige Wirtschaftswachstum, das wir für die kommenden Jahre erwarten müssen, zugleich negativ auf Konsum, Export, Arbeitsplätze und Staatsfinanzen auswirkt. Das ist keine Basis für positive Überraschungen.

mm: Die meisten Wirtschaftsprognosen sind in den vergangenen beiden Jahren ja bemerkenswert an dem vorbeigeschossen, was schließlich eintrat. Können die Bundesbürger hoffen, dass Sie sich ebenfalls komplett irren und es doch besser wird?

Stelter: Wir haben uns die Verläufe der vergangenen großen Finanz- und Wirtschaftskrisen genau angeschaut und auf die aktuelle Situation übertragen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von den großen Volkswirtschaften werden nur Brasilien, China und Indien wieder auf den Wachstumstrend von vor der Krise zurückfinden. Dies wirkt sich bei uns negativ auf Konsum, Export, Arbeitsplätze und Staatsfinanzen aus.

mm: Sie haben diese Entwicklung im Vorjahr bereits einer Studie für das manager magazin vorweggenommen. Hat sich seitdem etwas verbessert?

Stelter: Leider haben sich die Befürchtungen bestätigt. Nicht nur war der Absturz der Produktion erheblich, sondern es häufen sich auch Indikationen für zunehmende Eingriffe der Staaten in Industriepolitik und Handel. Denken Sie an protektionistische Klauseln in Konjunkturprogrammen, die Strafsteuer auf Reifenimporte aus China in den USA und die Versuche, Arbeitsplätze in einzelnen Industrien zu schützen, etwa in der Autobranche. Und das trifft leider gerade deutsche Unternehmen.

* Boston Consulting Group: "Accelerating Out of the Great Recession - How to Win in a Slow-Growth Economy"

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