Gastbeitrag von Oliver Mihm
Betroffen sind davon in erster Linie die Banken, weil die Beratungszeiten länger und die Vertriebsleistungen geringer werden, steigen die Kosten um knapp 3,2 Milliarden Euro. Die Vermittler werden netto etwa mit 1,6 Milliarden belastet. Die Versicherer kommen mit Belastungen von 1,7 Milliarden Euro weg, aber nur deshalb, weil sie bereits in der Vergangenheit etwa durch das Versicherungsvertragsgesetz Belastungen verkraften mussten. Unter dem Strich fällt die gesamtwirtschaftliche Kosten-Nutzenrechnung mit fast 1,5 Milliarden Euro negativ aus, weil die Kosten von mehr als 9,4 Milliarden Euro den Nutzen von nicht ganz 8 Milliarden Euro (auch die Finanzindustrie profitiert in geringem Maße) deutlich übersteigen.
Das wiederum könnte dem Kunden eigentlich ziemlich egal sein, schließlich ist er augenscheinlich der größte Nettoprofiteur. Aber die hohen Kosten müssen in der eh schon gebeutelten Bankenwelt wieder ausgeglichen werden. Dies geht in erster Linie durch Einsparungen. Das kann heißen Entlassungen und Kürzungen bei Investitionen, was sich letztlich beides direkt in den öffentlichen Haushalten niederschlägt. Und auch die Kunden kommen nicht immer ungeschoren davon. So beschleunigt die neue Kostenspirale vor allem bei den Banken die bereits laufende Konsolidierung in der Branche, denn auch die Beratung wird teurer, allein schon um die ganzen Dokumentationspflichten zu finanzieren, müssen die Banken letztlich das Geld an anderer Stelle wieder verdienen.
Macht die Finanzbranche transparent, welche Kosten in einzelnen Produkten kalkuliert sind, kann das auch seine gute Seiten haben, weil der Kunde nun schwarz auf weiß sieht, was er für seine Beratung zahlt und dann vielleicht bereit ist, sich kritischer mit so manchen Ratschlägen auseinanderzusetzen und vielleicht sensibler wird, auch für die Beratung ein Honorar zu bezahlen. Anderseits besteht die Gefahr, dass er eben aus Kostengründen ganz auf Beratung verzichtet und eher aufs Geradewohl sein Geld investiert; sein Geld also ohne Beratung, und dann richtig suboptimal investiert. Und das kann dann den Schaden aus angeblicher Falschberatung sehr schnell erheblich übersteigen.
Gesetzgeber und Verbraucherschutzverbände sollten sich deshalb in Zukunft gezielter mit den in der Praxis eintretenden Effekten und deren Kosten auseinandersetzen und nicht nur einseitig das hohe Lied des Schutzes des armen unmündigen Bürgers anstimmen. Und: Ab und zu würde man sich auch über etwas mehr Selbstkritik freuen, wenn das eine oder andere Vorhaben, wie zum Beispiel die Rückgabe von Wertpapieren eine Woche nach ihrem Kauf, ein offensichtlicher Unsinn ist.
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