Von Arne Gottschalck
Offenbar wolle die "Regierung für die geplante Begleichung der noch ausstehenden Auslandsschulden aus dem Staats-Default im Jahr 2002 nicht selbst sparen, sondern dies über die Devisenreserven der Zentralbank finanzieren. Das wird von ausländischen Bond-Investoren kritisch beurteilt", sagt Engels.
Fast klingt es wie eine Warnung, wenn Wirtschaftsminister Amado Boudou sagt, die Regierung "wolle mit der gleichen Politik fortfahren, die sie bisher angewandt hat". Kein Wunder, dass Ugurtas Wert auf die Feststellung legt, kein Geld in Argentinien angelegt zu haben. Ihr Fazit klingt vielmehr resigniert: "Das ist eine weitere schädigende Entwicklung für den Ruf von Argentinien und es beschädigt die Kreditwürdigkeit auf den internationalen Märkten."
Dabei ist der zugrunde liegende Gedanke des Landes durchaus richtig. So hatte die Regierung im November angekündigt, einen neuen Umtauschplan für Anleihen vorzulegen. Noch immer werden Bonds im Wert von 20 Milliarden Dollar seit 2002 nicht bedient. Es sind jene Anleihen, deren Eigner 2005 nicht in den damaligen Umtausch eingewilligt haben. Ihnen zu helfen, ist beileibe nicht altruistisch. "Solange die damals während der Argentinien-Krise nicht bedienten Staatsanleihen nicht getilgt worden sind, bleibt der erneute Zugang von Argentinien als Schuldner am internationalen Kapitalmarkt gesperrt", so Engels. "Und da Argentiniens Regierung für das laufende Haushaltsjahr einen Fremdwährungs-Finanzierungsbedarf von geschätzten sechs Milliarden US-Dollar hat, würde daher die Möglichkeit des Zugangs zum internationalen Kapitalmarkt der Regierung die Finanzierungsplanung wesentlich erleichtern - ein wichtiges Argument gerade im Hinblick auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen in 2011." Unter anderem könnte die "erfolgreiche Tilgung bestehender Anleihenschulden des Staates, die aus dem Staats-Default in 2002 stammen, das Rating argentinischer Staatsanleihen verbessern", erklärt Engels. Und so ein Urteil ist noch immer eine wichtige Kenngröße an den Kapitalmärkten.
"Viele Investmentfonds agieren im Hinblick auf Risikolimite mit Rating-Restriktionen für Anleiheemittenten, und daher können Rating-Veränderungen nach wie vor deutliche Marktpreisbewegungen für Staatsanleihen von Schwellenländern wie beispielsweise Argentinien auslösen. Im konkreten Fall von Argentinien impliziert das Rating von B- signifikante Risiken für Investoren, die in erster Linie mit der in der Vergangenheit fehlenden Zahlungsfähigkeit sowie der fehlenden Zahlungsbereitschaft der Regierung gegenüber ausländischen Gläubigern zu tun hat." Umso schlimmer, dass diese Entwicklung in eine Zeit fällt, in der andere Emerging Markets wie zum Beispiel Brasilien offenbar aus vorangegangenen Krisen gelernt haben. Noch einmal Analyst Torres: "Wenn der Prozess des Kampfs gegen die Probleme wegen der jüngsten politischen Krise entgleist, könnten sich finanzielle Optionen später in diesem Jahr als problematisch erweisen."
Für die deutschen Anleger, die noch Argentinien-Anleihen besitzen, will Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Anwalt keine großen Hoffnungen schüren. "Es ist zwar nicht schlecht, dass sich nun wieder etwas tut. Doch wir müssen abwarten, wie das konkrete Angebot aussieht. Und ich fürchte, dass es schlechter sein wird als jenes von 2005."
Immerhin, etwas Gutes lässt sich doch in der Krise entdecken. Findet zumindest Enrico Bolzani, Ökonom bei der Bank Syz & Co. "Diese Geschichte hat das Ansehen des Gerichts, des Kongresses und der Zentralbank gehoben, die sich alle der Anordnung von Präsidentin de Kirchner widersetzt hatten, 6,6 Milliarden US-Dollar zu transferieren." Und trotzdem, "institutionelle Unsicherheiten werden nach wie vor nicht so schnell verschwinden."
Zumindest bei der Zentralbank selbst hat das kurze führungslose Intermezzo offenbar keine Spuren hinterlassen. Denn auf der Internetpräsenz der "Banco Central" stehen einige Sätze etwa zur Geldpolitik oder zu argentinischen Peso-Scheinen. Doch nichts zu den jüngsten Ereignissen. Da passt es ins Bild, dass die Bank seit ihrer Gründung im Mai 1935 55 Bankgouverneure gehabt hat. Aber es nur 30 argentinische Präsidenten gab.
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