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13.01.2010
 

Argentinien-Anleihen

Der letzte Tango

Von Arne Gottschalck

Christina Kirchner, die Präsidentin Argentiniens, versucht offenbar mit Macht, Devisenreserven der Zentralbank zur Zahlung von Staatsschulden einzusetzen. Damit gefährdet sie die Zukunft des Landes - vor allem am Kapitalmarkt.

Hamburg - Unter strengen Augenbrauen blickt die Dame nach links, auf dem Haupt trägt sie eine phrygische Kappe. So eine Mütze, wie sie die Schlümpfe tragen. Sie, das ist die Symbolfigur der argentinischen Nationalbank. Und sie ist die derzeit erbitterteste Gegnerin von Christina Fernandez de Kirchner.

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Denn die Präsidentin Argentiniens will an das Geld der Bank, um damit alte Schulden des Landes zu begleichen und neue machen zu können. Die internationale Anlegergemeinschaft winkt entnervt ab.

Dabei klang anfangs alles noch so einfach. 1998 befand sich Argentinien in einer Rezession. Die uferte so sehr aus, dass das Land 2001 Anleihen im Wert von 95 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen konnte. Erst 2005 legte Argentinien seinen Gläubigern ein Umtauschangebot vor. Rund 30 Cent pro Dollar Nominalwert wollte man zahlen. Die Anleger sollten also auf 70 Prozent ihres Geldes verzichten. Entnervt vom jahrelangen Aktenkrieg, nahmen rund 75 Prozent der Investoren an. Seitdem ist einiges geschehen - und Argentinien vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten.

Heute ist die wirtschaftliche Lage des Landes wieder einmal schlecht. Die Inflation liegt je nach Rechenweise zwischen 10 und 12 Prozent, und die Staatsverschuldung ist höher als die Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung. Wieder einmal will die Regierung den Anlegern ein Angebot vorlegen. Sie will endgültig die Restschulden des Landes tilgen, um sich dann dringend benötigtes Geld am Kapitalmarkt beschaffen zu können.

Helfen soll der "Fondo del Bicentenario", der unter anderem als Garantie für künftige Zahlungen dienen soll. Kirchner kam nun auf die Idee, den Fonds zum Teil - 6,6 Milliarden Dollar - mit Devisenreserven der Zentralbank zu füllen, der "Banco Central de la República Argentina". Und stieß auf Gegenwehr von deren Chef, Martin Redrado. Prompt entließ sie ihn, der schon wenige Tage später wieder im Amt war.

"Die Auswirkungen dieser Nachrichten auf den argentinischen Staatsanleihenmarkt waren negativ und führten zu niedrigeren Marktbewertungen", erklärt Frank Engels, Rentenfondsmanager bei Union Investment. Auch die Ratingagenturen zeigen sich wenig erbaut. "Das könnte zu Sorgen über die künftige Kreditwürdigkeit führen", sagt Gabriel Torres, Senior-Analyst bei Moody's.

Der versuchte Griff in die große Kasse ist beleibe keine neue Idee. "Ein ähnliches Gesetz wurde im Januar 2006 beschlossen", berichtet Ece Ugurtas, die bei Baring Asset Management Anleihen und Währungen verantwortet. "Die Zentralbankreserven sollten genutzt werden, um einen IWF-Kredit von zehn Milliarden Dollar abzuzahlen." Ugurtas sagt: "Ein weiteres Beispiel für so ein Verhalten war die Nationalisierung von 30 Milliarden Dollar aus Pensionsfonds im Jahr 2008 - das folgte aus der Unfähigkeit der Regierung, Geld durch die Schaffung einer politisch einfühlsamen Steuer auf die Exporte der Landwirtschaft einzusammeln." Und weiter: "Jede einzelne Maßnahme war darauf ausgerichtet, Geld einzusammeln. Um Schulden zu zahlen oder Regierungsausgaben zu decken. Auch der letzte Schritt soll Schulden abzahlen und Geld einsammeln; noch vor der Präsidentenwahl im kommenden Jahr." Ähnlich harsch fällt auch das Urteil von Fondsmanager Engels aus.

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