mm: Herr Professor Axt, was läuft schief in Griechenland? Wie konnte das Defizit dermaßen ausufern ohne dass es gelingt, es in den Griff zu bekommen?
Axt: Man muss zweierlei unterscheiden: Erstens scheint der politische Druck auf die Verwaltung und die Statistikbehörde übermäßig groß zu sein, so dass die wahren finanziellen Gegebenheiten nicht öffentlich bekannt werden.
mm: Sie sprechen von der Schummelei, mit der sich die Griechen bereits den Zutritt zur Euro-Zone erschlichen haben.
Axt: Wir wissen, dass auch in anderen EU-Ländern eine "kreative Buchführung" gepflegt wurde, um die Maastricht-Kriterien beim Eintritt in die Euro-Währungsunion zu erfüllen. Aber bei Griechenland hat diese Methode ungeahnte Dimensionen angenommen. Das war wohl zumindest zum Teil auch der Politik in den EU-Partnerländern bekannt. An warnenden Stimmen aus Bankenkreisen in anderen EU-Staaten mit Verweis auf den übermäßigen Schuldenstand und die Inflation hat es nämlich nicht gefehlt, als man Griechenland in den Euro-Club aufnahm.
mm: Und der zweite Punkt?
Axt: Zweitens kann man sich in Griechenland zwar zu einigen Stabilisierungsmaßnahmen wie einer zeitweisen Ausgabenkürzung oder der Erhöhung der Staatseinnahmen durchringen, echte Strukturreformen lassen aber bis heute auf sich warten.
mm: Vor einem Jahr gab es heftige Unruhen in Griechenland. Spielen bei dem ganzen Thema vielleicht auch gesellschaftliche Spannungen eine Rolle?
Axt: Das zentrale Problem sollte in der politischen Kultur des Landes gesehen werden. Patronage- und Klientelbeziehungen spielen noch immer eine herausgehobene Rolle.
mm: Was heißt das?
Axt: Parteien versprechen ihren Wählern Jobs im öffentlichen Dienst und setzen dies auch um, wenn sie aus Wahlen siegreich hervorgehen. Dann wird massenhaft das Personal ausgewechselt. Unter diesen Bedingungen blüht auch die Korruption. Die Bewertungen von Transparency International belegen dies. Griechenland hat unter den EU-Staaten einen Schlussplatz inne.
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