Von Arne Gottschalck und Karsten Stumm
mm: Mit welcher Inflationsrate rechnen Sie in 2010? Sollten private Anleger deshalb besondere Inflationsschutzmaßnahmen ergreifen?
Milleker: Der Preisauftrieb, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex, wird sich nach unserer Einschätzung 2010 von 0,3 Prozent im laufenden Jahr auf 1,0 Prozent beschleunigen. Ursächlich hierfür ist allerdings der Ölpreis, der sich von seinem Krisenniveau von 35 US-Dollar je Barrel wieder in Richtung der Marke von 80 US-Dollar je Barrel bewegt hat.
Für einen breit angelegten Preisauftrieb fehlt das ökonomische Fundament, insbesondere da deutliche Lohnaufschläge im aktuellen Arbeitsmarktumfeld nicht zu erwarten sind. Mit Blick auf die längerfristigen Risiken, die aufgrund von überreichlicher Geldversorgung der Zentralbanken und deutlich gestiegene Staatsschulden durchaus vorhanden sind, empfiehlt es sich, die Verankerung der Inflationserwartungen im Auge zu behalten.
mm: Der Goldpreis ist 2009 stark gestiegen. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Müller: Durch den stark gestiegenen Goldpreis steigt das Angebot an Altgold nächstes Jahr. Unserer Einschätzung nach wird dieses hohe Angebot an Altgold den Rückgang des Angebots seitens der Zentralbanken übersteigen. Einen Angebotsengpass an Gold wird es in 2010 daher voraussichtlich nicht geben.
Auf der Nachfrageseite wird die Schmuckindustrie aufgrund des gestiegenen Preises voraussichtlich weniger physisches Gold ordern. Allerdings sehen wir auf der Investorenseite weiter eine hohe Bereitschaft, Gold zu kaufen. Insgesamt halten wir die Preisentwicklung des Goldes nach oben hin für beschränkt und nach unten hin für gut abgesichert. Im Schnitt sehen wir den Goldpreis im Jahr 2010 bei etwa 1000 US-Dollar.
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH