Von Arne Gottschalck und Karsten Stumm
Hamburg - Ein turbulentes Jahr 2009 neigt sich seinem Ende entgegen. Der Euro-Kurs schoss auf gut 1,50 Euro
je Dollar in die Höhe, die Goldnotierungen schienen keine Grenze nach oben zu kennen: Eine Feinunze war zeitweise mehr als 1200 Dollar wert. Gleichzeitig machte sich Inflationsangst breit: Wie nur sollten die Volkswirtschaften weltweit die Milliarden der Zentralbanken verdauen, ohne dass ein merklicher Inflationsschub einsetzt? Wähnen die Experten die Gefahren der Notfall- und Krisenjahre 2008 und 2009 zumindest im neuen Jahr 2010 gebannt?
"Es lässt sich feststellen, dass die negativen Auswirkungen der letzten Krise am Finanzmarkt immer noch nicht strukturell gelöst worden sind", sagt Henning von Issendorf, Partner bei Tungsten Capital Management. "Vielmehr leben wir bereits in der nächsten Blase, nämlich einer massiven Überschuldung der Staatshaushalte." Und das wird nach Meinung mancher der befragten Experten schon im kommenden Jahr für Anleger speziell in Euro-Land zu spüren sein.
"Der Dollar wird abwerten, weil die Welt, die das amerikanische Staatsdefizit finanzieren muss, im Hinblick auf die niedrigen Zinsen unruhig wird. Wir rechnen damit, dass der Euro auf neue Höchststände über 1,60 Dollar steigen wird", sagt beispielsweise Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank
. "Von der Schwäche des Dollars wird vor allem der Euro als nahe liegende Alternative profitieren."
Nach Meinung der befragten Investmentprofis wird die bedrohliche Geldschwemme, bewusst von den Zentralbanken weltweit heraufbeschworen, um die globale Wirtschaft in ärgster Finanzkrisennot kurzfristig zu stützen, die Anleger hierzulande erst in geraumer Zeit merklicher treffen. "Längerfristig könnte sich die Inflationsrate aufgrund der äußerst stimulierenden geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen tatsächlich etwas über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent einpendeln. Von zweistelligen Teuerungsraten gehen wir jedoch nicht aus", sagt Ingo Mainert, Managing Director Allianz Global Investors, der Investmentsparte des Versicherungsriesen Allianz
.
Viele Experten warnen deshalb davor, vorschnell auf Gold als sicheres Investment zu setzen. Als Stabilitätsanker in Zeiten gefährlicher Inflationsschübe, die noch gar nicht spürbar seien. "Auf dem Goldmarkt geschieht bereits, was viele Beobachter für den gesamten Finanzmarkt befürchten: Liquidität und die Erwartung weiter steigender Preise treiben die Notierungen immer weiter nach oben", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. "Das wird auch noch weitergehen". Und ergänzt: "Ob diese Entwicklung einmal eine Blase genannt wird, bleibt abzuwarten."
DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen warnt schon jetzt: "Eine Inflation der Vermögenspreise ist durchaus möglich. Profiteure werden dann Anlageklassen wie defensive Aktien, Rohstoffe, Immobilien und inflationsindexierte Anleihen sein", glaubt Kaldemorgen. "Die makroökonomischen Daten signalisieren für 2010 keine stabile und dauerhafte Erholung der Wirtschaft."
Das zeigte auch die Umfrage des manager magazin
unter den 80 größten börsennotierten Aktiengesellschaften Deutschlands (Dax
und MDax
). Die Firmenlenker planen vorsichtig für 2010. Für ein weiteres Jahr, um Risiken abzufedern. Und nach Meinung der befragten Investmentprofis sollten auch Anleger so planen. Für ein Hoffnungsjahr eben.
Lesen Sie auf den folgenden Seiten die detaillierten Investmenteinschätzungen prominenter Fondsmanager, Chefvolkswirte und krisenerprobter Vermögensverwalter über mögliche Inflationsgefahren, die Euro-Kursentwicklung und die Rekordjagd des Goldpreises. Der erste Teil unseres zweiteiligen Investmentausblicks 2010 lieferte am Freitag, 18. Dezember 2009, einen Überblick über die mögliche Aktienmarktentwicklung im kommenden Jahr.
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