Von Andre Köttner
2009 wird sicher als außergewöhnliches Jahr in die Börsengeschichte eingehen. Herrschte in den ersten Monaten noch Weltuntergangsstimmung, kam es im Frühjahr an den internationalen Börsen zu einer ebenso unerwarteten wie starken Erholung. Doch mit dem nahenden Jahresende macht sich wieder Skepsis breit, zumal die Finanzprobleme in Dubai und Griechenland gezeigt haben, dass noch längst nicht wieder alles in bester Ordnung ist.
Entscheidend für die Entwicklung der Finanzmärkte im kommenden Jahr ist, ob der Übergang zum selbst tragenden Wirtschaftswachstum gelingt. Die Chancen dafür stehen dank der lockeren Geldpolitik und der weiter wirkenden Konjunkturprogramme gut. Niedrige Zinsen sollten dazu beitragen, dass die Risikoaversion weiter zurückgeht und die Anleger sich verstärkt den Aktienmärkten zuwenden.
Die Rahmenbedingungen müssen stimmen
Allerdings dürfen die Risiken nicht ausgeblendet werden. Der Aufschwung wird sich nur dann fortsetzen, wenn wichtige Rahmenbedingungen stimmen. Einer der Dreh- und Angelpunkte ist dabei die Kreditvergabe der Banken. Nur wenn die Unternehmen die benötigten finanziellen Mittel erhalten, werden sie wieder stärker investieren. Dies gilt umso mehr, da der Spielraum für Kostensenkungsmaßnahmen weitgehend ausgereizt ist. Nun kommt es für die Unternehmen darauf an, wieder zu wachsen. Die Voraussetzungen hierfür stimmen: Dank niedriger Kosten bieten steigende Umsätze die Chance auf überproportionales Gewinnwachstum.
Eine wichtige Rolle spielt natürlich die Politik der Notenbanken. Gefährlich wäre eine zu schnelle Anhebung der Leitzinsen. Angesichts der niedrigen Inflation bin ich aber zuversichtlich, dass vor Mitte des kommenden Jahres weder die US-Notenbank noch die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen werden.
Zudem muss die Trendwende am Arbeitsmarkt gelingen. Wenn der Arbeitsplatzabbau gestoppt wird und die Beschäftigung wieder zunimmt, können die Einkommen steigen und der private Verbrauch zulegen.
Auf Wachstum und Stabilität setzen
Meine Positionierung für das kommende Jahr folgt einer Doppelstrategie. Einerseits setze ich auf die Chancen einer anhaltenden Wirtschaftserholung, andererseits federe ich die Risiken durch eine gleichzeitige defensive Positionierung ab. Konkret heißt dies, dass ich sowohl die Emerging Marktes als auch solide und wenig konjunkturabhängige Branchen übergewichte.
An den Schwellenländern gefallen mir das hohe Wachstum und die auch langfristig guten Aussichten. Es spricht für sich, dass Länder wie China, Indien und Brasilien nach den Verwerfungen im letzten Jahr schnell wieder auf ihren Wachstumskurs zurückgefunden haben und die brasilianische Börse, einer meiner Favoriten in diesem Jahr, schon fast wieder ihr Allzeithoch erreicht hat. Dass die Schwellenländer in Zukunft zur Lokomotive der Weltwirtschaft werden dürften, deuten übrigens auch die Prognosen des Internationalen Währungsfonds an. Während für die Emerging Markets 2009 und 2010 ein BIP-Wachstum von 1,7 bzw. 5,1 Prozent erwartet wird, müssen die entwickelten Länder in diesem Jahr voraussichtlich einen Rückgang 3,4 Prozent verkraften und dürften 2010 gerade einmal auf 1,3 Prozent Zuwachs kommen.
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