Für das 3. Quartal 2009 meldet die amerikanische Statistik ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Man sollte annehmen, dass damit in USA, und dem folgend eine Weile später dann auch in Europa, die Rezession vorbei sei. Es lohnt sich jedoch ein zweiter Blick auf die Zahlen.
Nach vier Verlustquartalen hat sich zwar zum ersten Mal Wachstum eingestellt, bei genauer Betrachtung ist das Bild aber nicht mehr ganz so schön, denn 92 Prozent des Wachstums von 3,5 Prozent im dritten Quartal stammen von einmaligen Ankurbelungsmaßnahmen der Regierung. Dies sind: 1,7 Prozent Zunahme der Autoverkäufe auf Grund der Abwrackprämie; 0,6 Prozent Zunahme der Neubauten angetrieben vom baldigen Auslaufen einer Steuergutschrift von 8000 Dollar sowie 0,9 Prozent Zuwachs aus nicht ganz freiwilligem Lageraufbau.
Jede Rezession in den letzten 40 Jahren hatte zumindest in einem Quartal positives Wirtschaftswachstum, dem jedoch meistens ein weiterer Abschwung gefolgt ist. Nachdem in den Zahlen des dritten Quartals viele einmalige Ankurbelungsmaßnahmen enthalten sind, die seither weggefallen sind, müssen wir uns darauf einstellen, dass demnächst wieder ein Quartal einen negativen Wert zeigen wird.
Die Sparquote zeigt ein deutliches Bild. Sie ist in diesem Quartal von 4,9 Prozent auf 3,3 Prozent gefallen. Bei näherer Betrachtung ist also der ganze Zuwachs des Quartals im wesentlichen auf eine niedrigere Ersparnisbildung zurückzuführen. Die wirtschaftliche Erholung in Form eines V wird damit immer weniger wahrscheinlich. Es ist damit zu rechnen, dass die Erholung zwar stattfindet, aber in Form eines W. Der Höhepunkt des zweiten Beins des W dürfte wesentlich über dem Tiefpunkt des ersten Beines des W liegen, dennoch bleibt es ein W.
Wer diese Erkenntnisse als Kompass für die mögliche Börsenentwicklung des Jahres 2010 verwenden möchte, sollte also nicht damit rechnen, dass die Entwicklung der letzten neun Monate anhält. Weitere durchschnittlich 5 Prozent Kursgewinn pro Monat wie in den letzten etwa neun Monaten, wird es in den kommenden neun Monaten kaum geben.
Als Richtschnur kann ein Rückblick auf die wirtschaftlich nicht ganz unähnliche Phase von 2003 und 2004 dienen. Im Jahr 2003 erreichten die Kurse ebenso wie 2009 einen Tiefpunkt im März, bevor sie kräftig anstiegen. Der Dow Jones Index
In beiden Jahren hat sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr verbessert, der Dollar ist gesunken, und die Rohstoffpreise haben angezogen. Analysten erwarten einen Zuwachs der Gewinne im Standard & Poors Index um etwa 25 Prozent im Jahr 2010, dies ist ein ähnlicher Wert wie wir ihn 2004 gesehen haben.
Ebenso könnten im Jahr 2010 Zinserhöhungen ins Haus stehen, wie es 2004 geschehen ist. Im Jahr 2004 erzielte der Standard & Poors Index einen Zuwachs von 9 Prozent, der ungefähr dem langjährigen Mittel entspricht. Die erste Hälfte des Jahres 2004 war schwach für Aktien und Anleihen. Die Gewinne sind alle im zweiten Halbjahr erzielt worden.
Dies dürfte im Jahr 2010 anders aussehen, da Zinserhöhungen im zweiten Halbjahr erwartet werden und damit mögliche Kursgewinne des ersten Halbjahres ausradiert werden könnten. Die Zwischenwahlen im Jahr 2004 ließen die Republikaner einige Sitze in beiden Kammern des Parlamentes gewinnen.
Falls sich die Ergebnisse der letzten Wahlen wiederholen sollten, könnten die Republikaner in den Zwischenwahlen zum Repräsentantenhaus möglicherweise 15 Sitze gewinnen. Im weniger dynamischen Jahr 2010 könnten die im Jahr 2009 zurückgeblieben Aktiengruppen wie Gesundheitswesen und Energieversorger von einer freundlicheren Gesetzgebung profitieren.
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