Von Arne Gottschalck
mm: Bekomme ich diese Mischung nicht eigentlich auch mit einem normalen Emerging-Markets-Investment hin?
Koch: Nein, bei BRIC haben Sie ein geschlossenes Konzept, eine Art Wirtschaft in der Wirtschaft. Ein ganz einfaches Beispiel - Russland und Brasilien verkaufen Rohstoffe nach Indien und China, China und Indien revanchieren sich mit Technologiegütern.
mm: Der wahre BRIC-Trick also. Aber apropos Rohstoffe - wird aus BRIC eines Tages BRICA? Immerhin investiert China ja massiv in Afrika, um Zugriff auf die dortigen Rohstoffe zu bekommen.
Koch: Wirtschaftlich ist das eine gute Geschichte, aber für Anleger nicht - es gibt dort einfach keinen funktionierenden Aktienmarkt. Afrika bleibt aber eine Vision für die Zukunft, sodass die Region in unserem N11-Konzept vertreten ist.
mm: Welche Region gefällt Ihnen am besten?
Koch: Oh je, das ist, als wenn Sie eine Mutter fragen, welches ihr Lieblingskind ist. Ich will es mal versuchen. Nehmen wir Brasilien. Präsident Lula hatte Erfolg, eine neue Wahl steht bevor - aber die will ich lieber nicht kommentieren. In Indien sind die Infrastrukturmaßnahmen auf einem guten Weg. In Russland konzentriert man sich auf den Heimatmarkt und zu China muss ich wohl nichts mehr sagen. Und da mit der Gewichtung der Aktien auch die Gewichtung der Länder atmet, sind wir immer am stärksten bei denen mit den aktuell stärksten Aussichten investiert.
mm: Sind BRIC-Investments eigentlich automatisch Schwergewichte?
Koch: In der Regel sind das Large Caps, ja. Entweder aus den BRIC-Ländern selbst, die den heimischen Markt dominieren oder auch große multinationale Unternehmen, die zum Beispiel aus den USA massiv mit den BRIC-Ländern handeln.
mm: Das klingt fast schon zu einfach.
Koch: Nun, es gibt auch Barrieren. Zum Beispiel sind die Märkte nicht immer so transparent, wie wir es gewohnt sind. Und es bleibt ein volatiles Geschäft. Anleger müssen schon etwas Geduld mitbringen, mindestens für fünf Jahre.
mm: Haben die Profiinvestoren eigentlich das hinreichend erkannt?
Koch: Nein, die meisten halten 5 bis 6 Prozent ihres Depots in Emerging Markets, in den USA vielleicht noch weniger. Aber das wird sich in meinen Augen ändern, weil sie sehen, was möglich ist.
mm: Und diese potenziellen Investoren werden keine Angst haben, den Zug verpasst zu haben?
Koch: Nein, das muss man gar nicht, weil es ein langfristiger Trend ist. Aber man weiß noch immer zu wenig über die Region. Der größte Sektor ist zum Beispiel der Finanzsektor, das wissen viele nicht. Und diese Banken hatten mit dem Verbriefungsgeschäft oftmals nichts zu tun.
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