Von Arne Gottschalck
mm: Frau Koch, vor wenigen Jahren war BRIC das Reklamewort für rasantes Wachstum, für wahre Kursfeuerwerke. In der Krise wurde es dann still um die Länder. Und heute?
Koch: Aktuell strömt uns mehr Geld zu als jemals. Allerdings, das muss ich einräumen, gab es 2008 auch erhebliche Abflüsse.
mm: Das ist die eine Seite, die des Anlegerinteresses. Und wie sieht es mit den Märkten aus?
Koch: Es gibt 5000 gelistete Unternehmen in den BRIC-Ländern. Im Schnitt sind die Aktien unterbewertet. Zwischenzeitlich waren sie zwar "oversold", jetzt nicht mehr. Aber das eigentliche Faszinosum dieser Gruppe sind doch die zugrunde liegenden Treiber.
BRIC: Vier Buchstaben für ein neues Konzept. Im Bild die Lenker der vier BRIC-Staaten auf dem BRIC-Gipfel im russischen Jekaterinenburg
Koch: Gewiss. Das sind zum einen die dauernden Infrastrukturausgaben, zum anderen das Phänomen einer wachsenden Mittelschicht und zu guter Letzt die Vertiefung der Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen BRIC-Ländern.
mm: Das müssen Sie mir erklären.
Koch: Nehmen wir einmal die U-Bahn von Peking. Sie soll ausgebaut werden, das heißt das Netz ausgeweitet werden und irgendwann größer sein als die Tube von London. Oder das Wachstum der kleineren Städte in China - auch das ist ein Infrastrukturthema. Schauen Sie nach Indien. Dort wurde jüngst gewählt, und die Regierung hat weitere Infrastrukturprogramme gebilligt.
mm: Und was ist mit der Mittelschicht?
Koch: Ja, daneben gibt es das Phänomen der wachsenden Mittelschicht. 2050 wird es in den BRIC-Ländern rund eine Milliarde neuer Arbeitnehmer geben. Das schlägt sich dann auf die Konsumgewohnheiten durch. In Russland zum Beispiel gibt es Unternehmen, die den bislang sehr fragmentierten Einzelhandel aufrollen. Und zu guter Letzt - die wirtschaftlichen und politischen Bande zwischen den BRIC-Ländern vertiefen sich. Diese Entwicklung ist inzwischen so weit gediehen, dass es jüngst einen eigenen BRIC-Gipfel gab. Mit anderen Worten - die Region wird so etwas wie ein abgeschlossener Raum.
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