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manager magazin



14.11.2009
 

Kreditnotstand

Das Milliardenproblem der Schiffsbanken

Von Christoph Rottwilm

Branchentreff der Schiffsfinanzierer in einem Hotel in Hamburg. Der Markt liegt am Boden, Reeder, Banken und Fondsmacher stecken im Schlamassel. Die drängende Frage: Wer bezahlt die Milliarden für die mehr als tausend Schiffe, die bei Werften bestellt sind. Auf dem Podium schaut man sich an - und zuckt mit den Schultern.

Hamburg - Ist das wirklich Gelächter im großen Saal des Elysee Hotels in Hamburg? Tatsächlich, auf dem Podium wurde ein Witz gemacht und etwa 800 Zuhörer lachen herzlich. Das ist bemerkenswert, denn eigentlich gibt es in dem Markt, dessen Vertreter sich vor wenigen Tagen zum 13. Hansa-Forum, dem wichtigsten Branchentreff des Jahres, zusammengefunden haben, zurzeit wenig zu Lachen. Reeder, Schiffsfondsemittenten, Banken und Berater sind versammelt - gemeinsam befinden sie sich in einer der tiefsten Krisen der letzten Jahrzehnte.

Schiffbau in Emden: Nicht alle Schiffe, die demnächst fertig werden, werden auch gebraucht - und nicht alle können bezahlt werden
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DDP

Schiffbau in Emden: Nicht alle Schiffe, die demnächst fertig werden, werden auch gebraucht - und nicht alle können bezahlt werden

Das Bonmot, das die Heiterkeit auslöst, bringt denn auch das größte Problem dieses Wirtschaftszweiges auf den Punkt. Ein Zuhörer hat den Hansa-Forum-Organisator und Schifffahrtsexperten Jürgen Dobert gedrängt, eine Summe zu nennen. Der Frager will wissen, welcher Betrag insgesamt bei Werften rund um den Globus in den kommenden Jahren für neu bestellte und abzunehmende Schiffe zu bezahlen sei.

Etwa 1200 von deutschen Adressen bestellte Frachtschiffe, so hat Dobert zuvor berichtet, stehen derzeit weltweit in den Bestellbüchern der Werften. Insgesamt müssen die Schiffbauer einen Auftragsbestand von rund 930 Containerschiffen abarbeiten, wovon wiederum etwa 400 deutschen Bestellern zuzuordnen seien.

Ein gigantisches Bestellvolumen also. Und eine Frage kristallisierte sich im Laufe der Veranstaltung als zentrales Problem des Marktes heraus: Wer soll das bezahlen? Wie sind all die Schiffe zu finanzieren?

Ohnehin kommen die Frachter zu einem Zeitpunkt auf den Markt, in dem sie vermutlich kaum gebraucht werden - zumindest nicht in dieser großen Zahl.

Jahrelang hatte die Schifffahrt geboomt. Fondsemittenten hatten bei Anlegern Milliarden eingesammelt, Reeder hatten im Glauben an allzu optimistische Prognosen zur künftigen Marktentwicklung im großen Stil immer neue Schiffsbestellungen aufgegeben, Banken hatten alles fleißig finanziert und dabei ebenfalls ihren Schnitt gemacht.

Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise jedoch leben die Schiffsfinanzierer in einer anderen Welt: Kaum noch ein Anleger zeichnet Schiffsfonds, der Welthandel ist eingebrochen, den Schiffen fehlt es an Beschäftigung, und wenn sie welche haben, dann oft zu einer Charterrate (Tagessatz der Schiffsmiete), die kaum die Betriebskosten deckt. Und die Banken, die den Boom jahrelang großzügig begleitet haben, sind plötzlich äußerst zurückhaltend, wenn es um die Gewährung von Krediten geht.

Schon jetzt gibt es also deutlich zu viele Containerschiffe auf den Weltmeeren - der Auslieferung der bestellten Neubauten blicken daher viele im Markt alles andere als optimistisch entgegen. Denn das zusätzliche Angebot an Frachttonnage dürfte dazu führen, dass das Ende der Krise noch länger auf sich warten lässt, als ohnehin schon.

Das ist aber nur die eine Seite des Problems. Die andere ist die der Finanzierung. Die Schiffe sind bestellt und vielfach schon angezahlt. Jetzt stellt sich die Frage, woher das Geld zur vollständigen Finanzierung kommen soll.

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