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06.11.2009
 

Reedereien

Boom über Bord

Von Christoph Rottwilm

Einbrechende Märkte, Finanzierungsnot, Schiffsbestellungen, die keiner mehr braucht - die Wirtschaftskrise setzt Deutschlands Reedern heftig zu. In der Not wenden sich viele an die Staatsbank KfW - und werkeln über die Firmengrenzen hinweg am Krisenmanagement. Eine erfolgsverwöhnte Branche im Wettlauf mit der Zeit.

Hamburg - "Die Situation in der Schifffahrt ist eine einzige Katastrophe." Wer sich zurzeit in der maritimen Wirtschaft umtut, bekommt solches häufig zu hören. Lange Zeit boomte der Markt - jetzt liegt er am Boden.

Sonnenaufgang im Hamburger Hafen: In der Schifffahrt warten viele auf bessere Zeiten
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DPA

Sonnenaufgang im Hamburger Hafen: In der Schifffahrt warten viele auf bessere Zeiten

Mit den deutschen Reedereien ist ein Wirtschaftszweig betroffen, der - auch mit staatlicher Hilfe - jahrelang prächtig verdiente. Der Welthandel haussierte und über Steuersparmodelle floss bis vor wenigen Jahren viel Investorengeld in den Schiffsmarkt. Inzwischen hat der Fiskus diese Steuerlöcher zwar geschlossen. Mit der pauschalen Tonnagesteuer auf Schiffsgewinne hat er dafür aber ein neues aufgemacht.

Die Folge: Die Anleger zahlten bis vor Kurzem weiter kräftig ein - und verhalfen den deutschen Reedern zur mit Abstand größten Containerschiffsflotte weltweit. Mehr als ein Drittel der über die Ozeane fahrenden 4700 Frachter für die praktischen Metallboxen gehören deutschen Eignern. Hinzu kommen mehrere hundert Neubestellung in den Orderbüchern der Werften weltweit.

Bis vor Kurzem gab es für die vielen Schiffe auch noch ausreichend Beschäftigung. Die Weltwirtschaft wuchs, der Welthandel legte kräftig zu, die sogenannte Containerisierung schritt rasant voran.

Das ist jetzt anders. Erstmals überhaupt wird der weltweite Containerumschlag in diesem Jahr rückläufig sein. Denn die Wirtschaftskrise hat den Markt zum Einsturz gebracht. Erst ging der Welthandel in die Knie, dann die Charterraten, die für die Nutzung der Schiffe entrichtet werden. Zu guter Letzt crashten auch noch die Schiffspreise - obwohl sich das kaum messen lässt, denn Schiffe werden seit Monaten so gut wie keine mehr gehandelt.

Die meisten Reedereien stecken inzwischen tief in der Bredouille. Einer sinkenden Nachfrage nach Frachtraum stehen viel zu viele Schiffe gegenüber. Und immer noch kommen weitere hinzu. Allein im ersten Halbjahr 2009 wurden fast 150 neue Containerschiffe ausgeliefert, berichtet Emittent Fondshaus Hamburg. Die Folge: Die Charterraten bleiben im Keller, auf einem Niveau, bei dem in vielen Fällen nicht einmal die Betriebskosten der Schiffe gedeckt sind.

Damit aber nicht genug. Die mangelnde Beschäftigung ist nur eines der Probleme. "Der Kapitalstrom vom Fondsmarkt ist praktisch ausgetrocknet", sagt Thomas Rehder, Chef der Reederei Carsten Rehder. Der Grund: Von der Finanzkrise und schiefliegenden Fonds abgeschreckt, zeichnet zurzeit so gut wie niemand eine Schiffsbeteiligung.

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