08.10.2009
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Müllers Welt

Zinsen rauf, und zwar schnell!

Von Henrik Müller

2. Teil: Warum die Inflationsraten schon bald steigen werden

Und der Vergleich mit den niedrigeren Preisen vom vorjährigen Tiefstpunkt der Krise wird weniger schmeichelhaft ausfallen - zumal viele Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten wieder stark angezogen haben. Ergo werden auch die gemessenen Inflationsraten bald steigen: 5 Prozent und mehr im kommenden Jahr halte ich für durchaus vorstellbar, jedenfalls sofern schlimme Rückschläge (etwa ein Crash in China, wie wir in der aktuellen Ausgabe des manager magazins, Heft 10/2009, beschreiben und im China-Forum online engagiert diskutieren) ausbleiben.

  Henrik Müller , stellvertretender Chefredakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen
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Henrik Müller, stellvertretender Chefredakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen

Auch dass die langfristigen Zinsen, ein typischer Indikator für sich aufbauende Inflationsbefürchtungen, bislang nicht explodieren, ist kein stichhaltiges Argument.

Der Markt läuft geradezu über vor Liquidität; die Notenbanken selbst kaufen langlaufende Anleihen im großen Stil - entsprechend verzerrt sind die Zinsen nach unten. Schauen wir lieber auf die Rohstoffpreise, insbesondere auf das Gold, dessen Notierungen durch die Decke gegangen sind - woher, wenn nicht von Inflationsängsten, soll diese Entwicklung herrühren?

Argument Nummer zwei - endlich kehre der Risikoappetit nach einer Phase übermäßiger Risikoscheu zurück - spricht für sich schon für eine entschiedene Verknappung der Geldversorgung durch die Notenbanken.

Steht China vor dem Kollaps? Oder geht der Boom weiter? Wie sollten sich westliche Unternehmen verhalten – weiter investieren, abwarten, sich zurückziehen? Diskutieren Sie mit im mm-China-Forum!
Was wir derzeit erleben, erinnert fatal an die Risikoblindheit der vergangenen Jahre, als renditejagende Anleger auch die letzten Zehntel Prozentpunkte versuchten herauszuholen und damit auch die Preise exotischer Anlageformen (von Briefmarken bis Rotwein) in die Höhe trieben. Auch dies ist eine Form der Inflation.

Auch ein starker, breiter Anstieg der Asset-Preise geht in aller Regel auf eine übermäßige Geldversorgung durch die Notenbanken zurück. Ich weiß, der Internationale Währungsfonds hat kürzlich diesen Zusammenhang relativiert, aber auf längere Sicht gesehen ist der Befund eindeutig: Eine zu lockere Geldpolitik verursacht Inflation - entweder beschleunigt sich der Anstieg der Güterpreise oder der Anstieg der Asset-Preise, je nachdem, wie wettbewerbsintensiv die Güter- und Arbeitsmärkte sind.

Heute tagen die Notenbanken

Und doch: Ich vermute, dass die Notenbanken vorerst nicht reagieren. Heute tagen die EZB und die Bank of England. Vermutlich werden sie über "Exit-Strategien" diskutieren, sie tun das seit einiger Zeit. Ihre Frage lautet: Wie holen wir all die Liquidität wieder herein, die da draußen herumschwappt? Aber einen wirklich einschneidenden Kurswechsel werden sie nicht verkünden. Jedenfalls nicht heute. Vermutlich nicht in diesem Jahr. Vielleicht nie.

Es besteht die Gefahr, dass sich erklärte "Falken" wie Jürgen Stark und Bundesbank-Chef Axel Weber, über den wir im aktuellen manager magazin ein umfassendes Porträt veröffentlicht haben, mit einer harten Linie nicht werden durchsetzen können.

Billiges Geld nähert einen ungesunden Boom, führt zu Übertreibungen an den Märkten, übermäßiger Verschuldung und schlussendlich in einen folgenreichen Absturz - dieses Spiel hat uns die Dotcom-Blase (bis 2000) und die Immobilien- und Kredit-Bubble (bis 2008) eingebrockt.

Die nächste große Krise kommt bestimmt - sofern die Notenbanken nicht bald gegensteuern.

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