Von Arne Gottschalck
Aber "hier geht es um Geld, das der Einzelstaat nicht mehr hat und dringend braucht. Der Fall trifft die eigene Tasche - wenn nicht der Geschworenen selbst, dann doch die Verwandter und Bekannter im öffentlichen Dienst. Die Jury könnte also durchaus einen Geschworenenspruch gegen die Ratingunternehmen gewähren."
Kommentar Moody's: "Moody's Politik ist sehr klar dahingehend, auch wenn wir uns zu potenziellen Kreditimplikationen struktureller Elemente eines Papiers äußern können, dass wir nicht an dem Design, der Strukturierung oder dem Marketing von Securities gleich welchen Typs beteiligt sind - das ist die Rolle des Underwriters (Erklärung der Redaktion: Institute, die sich zum Beispiel bei einer Emission bereit erklären, ein Teil davon selbst zu übernehmen). Unsere Rolle am Markt besteht einfach darin, begründete und vorwärtsblickende Meinungen zu Kreditrisiken anzubieten. Die Methodik unserer Ratings ist auf unserer Website festgehalten und für jeden zugänglich. Es ist nichts in der Calpers-Klage, dass den Schluss nahelegt, dass die Moody's-Politik in diesem Fall nicht befolgt wurde."
Bei der zu erwartenden Gegenwehr nimmt es nicht weiter wunder, dass manch einer abwinkt. "Calpers scheint mir ein weiterer Fall von Prozesswut in den USA zu sein. Der Pensionsfonds hat sich offensichtlich leichtsinnig auf Informationen verlassen, die nie eine 100-prozentige Garantie auf Fehlerfreiheit beinhalteten", sagt zum Beispiel John Carey, selbst erfahrener Aktienanleger und Manager des Pioneer-Fonds - U.S. Pioneer Fund. "Nun suchen sie einen Schuldigen, um Teile ihrer Verluste wieder gutzumachen. Ob sie damit Erfolg haben werden, halte ich für fraglich." Andere schweigen, wollen den Fall nicht kommentieren.
Weitere Großinvestoren halten sich bedeckt. Deka, Schroders, Fidelity, sie wollen nicht zitiert werden. Wiewohl auch bei ihnen davon auszugehen ist, dass sie Ratings genutzt haben. Beobachten wird man die Entwicklung des Prozesses aus ihren Stahl-und-Chromtürmen gewiss. "Sollte Calpers recht bekommen, werden Klagewellen aus der gesamten Bankenlandschaft die Folge sein, denn das würde bedeuten, dass die Schuld für die massiven Vermögensverluste zumindest teilweise verlagert werden kann, und die Banken den Reputationsverlust, trotz ihres markanten Missmanagement, begrenzen könnten", vermutet Zschaber.
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