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02.07.2009
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ESMT-Konferenz

"Trennung von Gewinnern und Verlierern"

Aus Berlin berichtet Arne Gottschalck

Das deutsche Wachstum lahmt, die Arbeitslosigkeit steigt - die Finanzkrise schlägt immer stärker auf die Realwirtschaft durch. So lautet auch der Tenor der Wirtschaftslenker auf der ESMT-Konferenz. Wie geht es weiter? Josef Ackermann gibt während der Diskussion den Realisten, Narayana Murthy den Visionär.

Berlin - Es ist, als hätte Marina Landia die Finanzkrise in einen Film gegossen. Kurze Interviews mit den Wirtschaftslenkern der Welt, und ihre Erklärungen, warum sie machen was sie machen. Geld, Neugier werden in der Installation der Künstlerin genannt. Die Krise, nur eine Abfolge bunter Bilder?

Josef Ackermann: "Die Krise wird uns noch Jahre begleiten, nicht Monate"
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DPA

Josef Ackermann: "Die Krise wird uns noch Jahre begleiten, nicht Monate"

Da passt es ins Bild, dass Michael Diekmann, Vorstand der Allianz, zuvor auf die Bedeutung der Publizität hingewiesen hat. Unternehmen müssten sich öffentlich besser positionieren. Und dass in der Krise auch eine Chance läge. Es klingt bekannt.

Etwas provokanter ist Josef Ackermann, der Deutsche-Bank-Chef. Wieder eine Veranstaltung, die nach den Gründen der Krise sucht, fragt er auf dem zweiten Symposium der European School of Management and Technology, kurz ESMT. Reicht es nicht langsam? So sagt er es freilich nicht, aber die Frage schwebt im Raum. Nein, liefert er selbst die Antwort. Nicht einmal die große Depression habe man vollständig erfasst.

Es sei aber die größte Herausforderung seit mehreren Generationen. Zwar habe man den wirtschaftlichen Einbruch stabilisiert, doch der Aufschwung sei noch lange nicht da. Und schlimmer, der volle Ausschlag der Krise stünde noch aus.

Immerhin, aus der Krise lasse sich auch lernen, zum Beispiel wer die Kernkunden seien. Die Krise trenne Gewinner von Verlierern und werde uns noch Jahre begleiten, nicht Monate. Übrigens ein Treppenwitz der Geschichte, dass Ackermann - Mann des Großkapitals - in einem Raum spricht, in dem die Neujahrsempfänge der DDR stattgefunden haben sollen. Traktoristen und kräftige Werktätige auf dem Wandfriess, die Diskussion um die Krise des Kapitalismus unten im Saal.

"Auf unbekanntem Terrain"

Ackermann spricht vom "unbekannten Terrain", auf das man sich jetzt vorwage. In der Tat, es gibt kein Muster, wie in der Krise zu handeln ist. Eine Denkrichtung regt Ackermann an - es waren die G20-Länder, nicht die exklusiveren G7, die in den vergangenen Monaten die Akzente setzten.

Infosys-Chef Narayana Murthy: "CDS sind an Indien vorbeigegangen"
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AP

Infosys-Chef Narayana Murthy: "CDS sind an Indien vorbeigegangen"

Damit spricht der Schweizer eine Hoffnung aus, die vielleicht viele im Raum hegen. Dass die Krise aus jenen Emerging Markets heraus gelöst werden könne. Aus Indien zum Beispiel.

Oder aus der Psychologie? Immerhin geht es bei der Wirtschaft um die Kunden. Kaufen die Menschen ein, nutzt das den Unternehmen. Inzwischen haben sich zu Ackermann auf das Podium Dieter Zetsche und Hakan Samuelsson gesellt, Daimler-Chef und MAN-Lenker. Ebenso Infosys-Chef Narayana Murthy und James Turley, der Vorstand von Ernst & Young.

Wer früher einen Fiat 500 gekauft hätte, der wird jetzt keinen kaufen. So die Meinung auf dem Podium. Wer aber früher eine Mercedes gekauft hat, wer weiß? Vielleicht erscheint es ihm ja nicht mehr angemessen? Turley erinnert daran, dass genau das ein amerikanisches Problem sei - "geh aus und kaufe ein".

Und was ist mit Asien - ist das nicht der Motor, der die Wirtschaft wieder in Schwung bringen könne, vielleicht sogar ein Denkmodell. Infosys-Chef Murthy winkt ab. Denn Indien habe von besonderen Faktoren profitiert. Zum Beispiel von seiner Landwirtschaft. Die mache noch immer einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus und konnte im vergangenen Jahr zulegen.

Und die Banken seines Landes seien sehr lokal, wenig international vernetzt. Ähnlich wie die Banken Kanadas, wie Murthy betont. CDS - die Credit default swaps - seien daher an Indien nahezu spurlos vorbeigegangen. Fasst so, als sei Indien eben doch die Blaupause für den Rest der Welt.

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