Berlin - In diesem Jahr wird die Wirtschaftsleistung nach Informationen des Münchener Ifo-Instituts um 6,3 Prozent schrumpfen. Für 2010 prognostizieren die Forscher ein weiteres Minus von 0,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen werde dann im Jahresschnitt auf gut 4,3 Millionen steigen. Mit einer Bodenbildung bei Produktion und Nachfrage sei erst im kommenden Frühjahr zu rechnen, teilten die Münchner Wirtschaftsforscher am Dienstag mit.
Damit zeigten sich die Münchner Experten ähnlich skeptisch wie in der Gemeinschaftsprognose, die im Frühjahr vorgelegt wurde. Zuvor schon hatte das Essener RWI seine Prognosen gesenkt. Statt eines Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,3 Prozent wird nun für dieses Jahr mit einer Verringerung um 6,4 Prozent gerechnet. Für 2010 werde mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent gerechnet.
Nach dem scharfen Einbruch zu Jahresbeginn 2009 dürfte die Wirtschaftsleistung auch im Frühjahrsquartal gesunken sein, wenn auch deutlich geringer, erklärten die Ifo-Experten. Sie gehen von einem Minus von 0,7 Prozent aus. Für den Beginn einer allmählichen Stabilisierung spreche die aktuelle Entwicklung einer Reihe von gewichtigen Konjunkturindikatoren wie Produktion, Auftragseingang und Ifo-Geschäftsklima.
Zu schaffen macht der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr der Einbruch bei Investitionen und Ausfuhren. Bei den Exporten erwarten die Experten einen Rückgang um 17 Prozent, bei den Ausrüstungsinvestitionen sogar minus 22,4 Prozent. Stabil dürfte dagegen der private Konsum bleiben, der sogar um 0,3 Prozent zulege.
Maßgeblich für die "katastrophale Wirtschaftsentwicklung" seit vergangenem Herbst sei der weltweit synchrone Nachfrageeinbruch nach Investitions- und langlebigen Konsumgütern, der sich im Gefolge der internationalen Finanz- und Vertrauenskrise eingestellt habe, hieß es. Die deutsche Wirtschaft sei von diesem externen Nachfrageschock aufgrund der hohen Außenhandelsabhängigkeit und der Spezialisierung auf besonders konjunkturreagible Industrieerzeugnisse überdurchschnittlich betroffen. Ab den Sommermonaten 2009 werde sich die Rezession auf dem Arbeitsmarkt verstärkt bemerkbar machen. Der Aufbau von Kurzarbeit werde zum Stillstand kommen, und die Arbeitslosenzahlen werden beschleunigt zunehmen.
Die schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik belastet überdies den Staatshaushalt massiv. Die Defizitquote werde im nächsten Jahr auf 6 Prozent steigen und damit doppelt so hoch liegen wie im EU-Stabilitätspaket festgelegt.
Die Zahl der Arbeitslosen wird nach Einschätzung der RWI-Forscher in diesem Jahr bei durchschnittlich 3,5 Millionen und 2010 bei 4,3 Millionen liegen. Dies entspricht einer Quote von 8,1 beziehungsweise 10 Prozent. Ende 2010 dürfte die Zahl sogar bis auf 4,6 Millionen ansteigen.
manager-magazin.de mit Material von reuters und ddp
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