Von Kai Lange
mm.de: Welche Schlüsse sollte ein Investor daraus ziehen?
Leber: Ich würde in dieser Zeit des Sparens auf Aktien von Unternehmen setzen, die eine geringe Schuldenquote und einen hohen Cashflow haben und die Dinge des täglichen Lebens herstellen: Dinge, auf die man auch in der Krise nicht verzichtet. Staatsanleihen halte ich aufgrund der explodierenden Staatsverschuldung für nicht empfehlenswert. Unternehmensanleihen sind dagegen noch attraktiv, aber auch dort muss man genau hinschauen. Rohstoffe wie Öl könnten sich kurzfristig wieder verknappen, doch in diesem Bereich muss man mit starken Schwankungen rechnen.
mm.de: US-Präsident Barack Obama will die Aufsicht über die Finanzmärkte so rasch wie möglich verschärfen. Ohne eine verbesserte Kontrolle wird die Krise nicht überwunden werden, heißt es. Stimmen Sie zu?
Leber: Wir brauchen unbedingt eine verbesserte, breite und bissige Aufsicht, die auch in der Lage ist, sich einen Überblick über Risiken für das Gesamtsystem zu verschaffen. Insofern stimmt Obamas Vergleich, dass wir nicht nur auf die einzelnen Bäume schauen, sondern den Wald im Blick behalten müssen. Das neue Aufsichtssystem muss wirklich weltumspannend sein.
mm.de: Was muss die neue Aufsicht leisten?
Leber: Kurioserweise werden seit Jahren zwar das Zinsniveau und die Geldmenge systematisch überwacht, nicht aber der Einsatz von Fremdkapital (Leverage) und auch nicht die Systemrisiken, die durch Finanzderivate entstehen. Dabei haben ja gerade die extremen Kredithebel der vergangenen Jahrzehnte dafür gesorgt, dass vergleichsweise überschaubare Verluste von 1,5 Billionen Dollar am US-Immobilienhypothekenmarkt zu Verlusten von 25 Billionen Dollar im weltweiten Anlagevermögen führen konnten.
Nicht nur Hedgefonds, auch Investmentbanken haben diese Kredithebel in immer größerem Ausmaß eingesetzt: Im Vergleich zu Investmentbanken waren Hedgefonds Waisenknaben. Die neue Aufsicht muss also den Leverage steuern können, Hedgefonds transparenter machen und auch die Struktur von Banken vereinfachen.
mm.de: Ein weltumspannendes Aufsichtssystem und weitreichende Eingriffsmöglichkeiten, um den Kapitalismus zu retten?
Leber: Aufsichtsbehörden und Politiker haben ebenso wie Unternehmenslenker und Beschäftigte noch einen anspruchsvollen Weg vor sich, um die Krise zu überwinden. Wir müssen durch verbesserte Regulierung verhindern, dass sich die jüngste Krise wiederholt. Denn einen zweiten Schlag dieser Größenordnung würde die Gesellschaft, fürchte ich, nicht mehr auffangen können.
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