Von Kai Lange
mm.de: Herr Leber, Sie sind kurzfristig recht optimistisch für Aktien gestimmt - obwohl Sie davon ausgehen, dass die USA den Weg aus der Krise erst zur Hälfte zurückgelegt haben. Warum soll jemand am Aktienmarkt investieren, obwohl die Krise noch lange nicht ausgestanden ist?
Leber: Derzeit überwiegt noch die Erleichterung, dass der befürchtete Bankencrash vermieden werden konnte und sich die Konjunktur langsam auf niedrigem Niveau stabilisiert. In China zum Beispiel steigen sowohl die Nachfrage nach Rohstoffen wie auch die Einzelhandelsumsätze wieder an, und die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind nicht mehr im freien Fall. Wir könnten den Tiefpunkt des Konjunkturzyklus hinter uns haben. Deshalb fließt aktuell viel Geld in den Markt zurück - Investoren stehen unter Druck, ihre Liquidität rentabel anzulegen.
mm.de: Kommen diese Investoren nicht etwas spät? Indizes wie der Dax
und der US-Leitindex Dow Jones
sind seit März jeweils um rund 30 Prozent, der Hang Seng
in Hongkong um mehr als 50 Prozent gestiegen.
Leber: Natürlich steigt die Rückschlagsgefahr nach so einer Kursrally. Gleichzeitig steigt aber auch der Druck auf institutionelle Investoren, die bislang noch nicht dabei sind, Rücksetzer zum Einstieg zu nutzen. Denn wie wollen Sie einem Kunden erklären, dass Sie eine Erholung an den Märkten komplett verpasst haben?
Es gibt noch immer zahlreiche professionelle Anleger, die auf Einstiegschancen warten und somit das Rückschlagsrisiko dämpfen. Es spricht also derzeit viel dafür, sich angesichts der allgemein steigenden Risikobereitschaft wieder einige Aktien genauer anzuschauen und beherzt zu investieren - allerdings mit Airbag.
mm.de: Das bedeutet, sich für den Fall eines neuen harten Aufpralls zu wappnen.
Leber: Richtig. Man muss sich absichern und schnell reagieren, wenn die Stimmung wieder dreht - schlicht aus dem Grund, weil Geld sehr flüchtig geworden ist. Eine solche Absicherung geht zwar auf Kosten der Performance, ist aber notwendig.
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