Hamburg - Was passiert am 19. Juni mit dem Kurs der VW-Stammaktien? Und was mit Porsche, dem Sportwagenbauer aus Zuffenhausen, der seit Monaten mit seiner Story von der Übernahme Volkswagens
für Gesprächsstoff sorgt? Die Spekulationen um den kommenden Freitag schießen wild ins Kraut. Im schlimmsten Fall, so wird im Markt geunkt, drohe Porsche
gar die Pleite. Denn der 19. Juni ist ein Verfallstag auf Aktienterminkontrakte - und Porsche hat jede Menge solcher Optionen auf VW-Aktien abgeschlossen.
Aber der Reihe nach: Im September 2005 erklärt das Unternehmen erstmals, bei VW einsteigen zu wollen. Was zunächst als Minderheitsbeteiligung annonciert wird, wandelt sich später in einen veritablen Übernahmeplan. Nach und nach steigert Porsche seinen Anteil an Volkswagen - und sichert sich im Hintergrund per Optionsgeschäft Zugriff auf noch mehr.
Seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht der Kaufprozess, als Porsche im Herbst 2008 bekannt gibt, mit Aktien und Optionen bereits Zugriff auf 74,1 Prozent an Volkswagen zu haben. Am Aktienmarkt kommt es daraufhin zu einem sogenannten Short-Squeeze: Spekulanten, die auf einen fallenden VW-Kurs gesetzt hatten, werden auf dem falschen Fuß erwischt und müssen hastig offene Positionen schließen. Die VW-Stammaktie schießt in kürzester Zeit auf über 1000 Euro in die Höhe - und stürzt kurz darauf ebenso rasant wieder ab.
Am 19. Juni steht nun erneut der Markt für Aktienoptionen im Fokus. Doch die Vorzeichen haben sich gedreht. Porsche steht jetzt nicht mehr kurz vor der Übernahme von Europas größtem Autobauer. Die Zuffenhausener müssen vielmehr selbst aufpassen, dass sie nicht geschluckt werden. Als Notlösung wird eine Fusion mit Volkswagen angestrebt - die Verhandlungen darüber kommen aber offenbar wegen der prekären finanziellen Lage Porsches derzeit nicht voran.
Wie kam es zu der Kehrtwende? Porsche wollte die Kosten des VW-Erwerbs ursprünglich per Gewinnabführungsvertrag mit Mitteln aus Wolfsburg begleichen. Zu dem Zweck hätte das sogenannte VW-Gesetz abgeschafft werden müssen, das dem Land Niedersachsen als 20-Prozent-Aktionär und potenziellem Verhinderer des Plans eine Sperrminorität gewährt. Das ist aber bislang nicht gelungen.
Folge: Porsche steckt finanziell in der Klemme. Nur mit Mühe konnte das Unternehmen, das netto mit neun Milliarden Euro verschuldet ist, kürzlich Kredite von mehr als zehn Milliarden Euro erneuern. Um das laufende Geschäft finanzieren zu können, hoffen Unternehmenschef Wendelin Wiedeking und Co. noch auf weitere 1,75 Milliarden Euro, die als Notdarlehen von der staatlichen Förderbank KfW überwiesen werden sollen.
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