Von Lutz Reiche
Mit 313 Milliarden Euro wies die Commerzbank Ende vergangenen Jahres ein deutlich größeres Kreditvolumen aus wie der Branchenprimus Deutsche Bank mit 271 Milliarden Euro. Dabei sind die Kredite der von der Commerzbank jetzt übernommenen Dresdner Bank noch nicht einmal eingerechnet.
Die Postbank wiederum bilanzierte Ende 2008 ein Kreditvolumen rund 125 Milliarden Euro, wobei der Löwenanteil der Kredite von rund 100 Milliarden Euro ganz überwiegend auf Privatkunden entfällt. Letzteres veranlasste Postbank-Chef Wolfgang Klein am Mittwoch zu der Aussage, seinem Institut drohten in der Rezession dank der Kundenstruktur geringere Kreditausfälle als den Wettbewerbern. Diese Einschätzung kann man teilen, muss es aber nicht.
Niemand kennt die tatsächliche Qualität der Kreditportfolios. Doch sollte nur ein geringer Prozentsatz der Forderungen infolge steigender Privat- und Firmeninsolvenzen ausfallen, was Beobachter angesichts der schwierigen Wirtschaftslage für sehr wahrscheinlich halten, liegen die unterschiedlichen Belastungen und Gefahren für die einzelnen Institute auf der Hand.
Nicht von ungefähr machen sich Analysten daher um die Commerzbank auch die größten Sorgen. Dabei dürften jene 27 Milliarden Euro an Krediten, die die Bank in der Region Osteuropa vergeben hat und wo die Wiener Raiffeisen International
als größter Kreditgeber der Region zuletzt vor massiven Ausfällen gewarnt hat, noch das kleinere Problem darstellen. "Ob nun Schiffs-, Gewerbeimmobilien- oder Mittelstandsfinanzierung - die Coba hat aus heutiger Sicht in jeden erdenklichen Fettnapf ihren Fuß gesetzt, von den Belastungen durch die Übernahme der Dresdner Bank ganz zu schweigen", sagt ein anderer Analyst.
Vieles spricht daher für die vermehrt formulierte These, dass die Deutsche Bank als letzte deutsche Universalbank wahrscheinlich besser und schneller aus der Krise kommt als die klassischen Kreditbanken. "Dort geht das Zittern jetzt erst richtig los", sagt ein Branchenkenner. Das ist gut möglich, aber endgültig abgerechnet wird bekanntlich zum Jahresschluss und nicht nach dem ersten Quartal.
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