Von Lutz Reiche
Aus seiner Skepsis gegenüber der Nachhaltigkeit zu erwartender Gewinne und der Kursrally macht Kayser daher keinen Hehl: "Der Markt übertreibt nach oben. Wir stehen mitten in einer schweren Rezession. Und deren Auswirkungen in Form von faulen Krediten haben sich in den deutschen Bankbilanzen noch gar nicht richtig niedergeschlagen." Den Höhepunkt der Risikovorsorge deutscher Institute erwartet der Analyst erst in 2010. Die meisten Banken hätten das dicke Ende noch vor sich.
Sicher, die sich jetzt abzeichnende Lösung einer dezentralen Bad Bank in Deutschland wird die Bilanzen jener Institute entlasten, die dort ihre unverkäuflichen Wertpapiere abladen. Doch werden in den ausgelagerten Zweckgesellschaften vermutlich nur strukturierte Wertpapiere Einlass finden und keine herkömmlichen faulen Kredite aus Geschäften mit Firmen- und Privatkunden.
Für die in ihrer Höhe noch unbekannten Garantien, die der Staat für den Giftmüll abgibt, haben die Banken eine Gebühr zu entrichten. Darüber hinaus müssen sie für die Zeit der Garantie jährlich Rückstellungen in ihrer Bilanz bilden, die sich aus der Differenz von Buchwert und vermutetem Marktwert der toxischen Papiere errechnet. Rückstellungen und Gebühren werden also weiter Bilanz und Gewinnentwicklung der verbliebenen Good Bank belasten. Vermutlich werden sich ohnehin nur wenige Geschäftsbanken an so einer Lösung beteiligen: Die Deutsche Bank braucht sie angeblich nicht, die Postbank
zaudert noch, während die ohnehin teilverstaatlichte Commerzbank
die Bad Bank nach einhelliger Meinung bitter nötig hat.
Experten wie der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, gehen indes ohnehin davon aus, dass sich spätestens im Sommer dieses Jahres der Fokus verschieben wird. "Der zyklische Abschreibungsbedarf auf Kredite wird dann die Abschreibungen auf toxische Aktiva ablösen", schreibt der Experte. Dabei macht allein der Blick auf das Volumen der ausstehenden Forderungen den Unterschied zwischen den einzelnen Banken deutlich.
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