16.04.2009
Twitter GooglePlus Facebook

Paul Krugman

Droht Österreich der Staatsbankrott?

Von Alexander Hämmerli

2. Teil: Finanzminister Pröll reagiert empört

Empört auf Paul Krugmans Aussagen hat Österreichs Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) reagiert: "Glatt falsch" sei die Analyse, da sei nichts dran. Er erinnerte daran, mit welchem Argwohn die Expansion der österreichischen Banken in Osteuropa beobachtet worden sei, insbesondere von Ländern, die die Entwicklung selber verschlafen hätten. Neben Pröll zeigte sich auch Erich Foglar verärgert. Der Präsident des österreichischen Gewerkschaftsbunds bezeichnete die Einschätzung Krugmans als "in keiner Weise richtig."

Empört: Österreichs Finanzminister Pröll weist die Krugman-Kritik zurück
Zur Großansicht
REUTERS

Empört: Österreichs Finanzminister Pröll weist die Krugman-Kritik zurück

Die Bewertungen der Ratingagenturen Fitch und Moody's stimmen mit Krugmans Warnung ebenfalls nicht zwingend überein, auch wenn sie in der Finanzierbarkeit der Staatsschulden einen "ernsten Test" sehen. Erst kürzlich hatten sie die Kreditwürdigkeit Österreichs mit einer Bestwertung von AAA bestätigt. "Und im Zusammenhang mit Osteuropa waren die Ratingagenturen in der Vergangenheit jeweils sehr kritisch und vorsichtig", erinnert Wifo-Ökonom Hahn.

Finanzminister Pröll sieht denn auch keinesfalls die Gefahr eines Flächenbrands, der das österreichische Finanzsystem in ernsthafte Bedrängnis bringen könnte. In der Krise sei zwar mit Kreditausfällen der Banken in Osteuropa zu rechnen, realistische Schätzungen würden aber von maximal 10 Prozent ausgehen. Die Osteuropabank EBRD erwartet etwa, dass Österreichs Banken in Osteuropa höchstens einen Ausfall von 20 Milliarden Euro zu befürchten haben, die Experten von Goldman Sachs Chart zeigen rechnen mit 5 bis 26 Milliarden Euro. Außerdem sei es unwahrscheinlich, dass in allen 20 Ländern auf einmal solche Probleme auftauchen würden.

Rettungsaktion in vollem Gange

Die Abhängigkeit des österreichischen Bankensystems von Osteuropa bleibt groß. Um die Risiken abzufedern, hat die österreichische Bundesregierung nicht zuletzt deshalb ein Hilfspaket von 100 Milliarden Euro abgesegnet. Gemessen an der Größe der Volkswirtschaft ist das einer der stärksten Bankenschutzschirme der Welt. 15 Milliarden Euro sind dabei für die Stärkung des Eigenkapitals der Banken vorgesehen. So sollen die Großbanken ihre Kernkapitalquote von derzeit 5 bis 7 mittelfristig auf 9 Prozent erhöhen. "Alle Banken, die sich in Osteuropa engagieren, haben sich zudem auf Druck der Öffentlichkeit vorsorglich für die staatliche Unterstützung angemeldet", so Franz Hahn vom Wifo.

Entlastend für Österreichs Banken kommt hinzu, dass die internationalen Finanzinstitute sowie die Europäische Union viel Geld in die klammen osteuropäischen Kassen pumpen. So erhielten im März Rumänien, die Ukraine, Ungarn sowie Lettland Finanzspritzen in Milliardenhöhe. Auch wenn eine flächendeckende Kreditvergabe kürzlich abgelehnt wurde, rechnet Wifo-Experte Hahn damit, dass der Geldstrom in den Osten nicht versiegen wird.

Entsprechend versicherte die Österreichische Nationalbank Ende Februar, den heimischen Banken drohe wegen ihren Geschäften im Osten keine existenzielle Gefahr. Selbst wenn sich die Schätzungen der Analysten bewahrheiten sollten, seien die Verluste durch Gewinne aus anderen Sektoren sowie durch die Fördermittel im In- und Ausland zu bewältigen. Eine ernsthafte Prognose ist gemäß Hahn trotz allem nicht möglich. Ob sich also die Versicherung der Nationalbank oder vielleicht doch das Horrorszenario von Seiten Paul Krugmans bewahrheiten wird, werden die nächsten Monate zeigen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken