Donnerstag, 9. Februar 2012, 23:00 Uhr

manager magazin



16.04.2009
 

Paul Krugman

Droht Österreich der Staatsbankrott?

Von Alexander Hämmerli

Starökonom Paul Krugman heizt die Debatte um die Probleme der österreichischen Banken in Osteuropa erneut an: Sogar das Reizwort Staatsbankrott nahm er in den Mund. Entsprechend macht sich in Österreich Empörung breit. Doch wie konkret ist das "Bedrohungsszenario Ost" wirklich?

New York - Die Aussage des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman kommt einem Stich ins österreichische Herz gleich: Dem Land drohe der Staatsbankrott, so die Warnung des Princeton-Professors.

Keine guten Prognosen für Österreich: Nach Ansicht des US-Ökonomen Krugman droht der Alpenrepublik ein Staatsbankrott
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DPA

Keine guten Prognosen für Österreich: Nach Ansicht des US-Ökonomen Krugman droht der Alpenrepublik ein Staatsbankrott

Dabei zog er den schmerzlichen Vergleich zu Island. Der Beinahe-Bankrott des Inselstaats habe gezeigt, dass auch hoch entwickelte Volkswirtschaften nicht vor der Insolvenz gefeit seien. "Island und Irland geht es ziemlich schlecht, Österreich könnte sich dieser Liga als drittes Land anschließen", sagte Krugman anlässlich einer Pressekonferenz für ausländische Journalisten jüngst in New York.

Die Bedrohung für die finanzielle Stabilität Österreichs ergebe sich aus dem großen Engagement der Banken in Osteuropa. Viele Kreditnehmer seien dort nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zurückzuzahlen. Hauptgrund dafür ist, dass scharenweise Schuldner, darunter private wie öffentliche, ihre Kredite in ausländischen Währungen, etwa in Euro, Schweizer Franken oder US-Dollar aufgenommen haben. Denn so ließen sich in den vergangenen Jahren Zinsen sparen. Doch durch die Rezession und die schwächelnden Währungen in Osteuropa sehen sie sich nun mit einer massiven und teilweise unbezahlbaren Kreditlast konfrontiert.

Darlehen in der Höhe des Bruttoinlandsprodukts

In der Tat ist das Finanzsystem des Alpenstaats einer erheblichen Gefahr aus den ehemaligen Kronländern der Habsburger-Monarchie ausgesetzt: Von den gut 563 Milliarden Euro an Auslandskrediten haben österreichische Banken und ihre Töchter fast die Hälfte an Schuldner in Osteuropa vergeben. Insgesamt entfallen laut der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel 277 Milliarden Euro an österreichischen Darlehen auf Osteuropa. Das entspricht satten 98 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Alpenrepublik.

Diese Zahl müsse man allerdings relativieren, betont Franz Hahn vom österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) gegenüber manager-magazin.de. Denn die BIZ-Statistiker würden bei ihrer Berechnung auch Bankentöchter, die außerhalb von Österreichs Grenzen angesiedelt sind, mitzählen.

"Bei den ausländischen Tochterbanken werden fast alle Einlagen vor Ort vergeben. Deshalb sind im Fall einer Bankenpleite auch hauptsächlich die Einlagen der Osteuropäer betroffen", so Hahn. Konkret sind laut Hahn rund 80 Prozent der Kredite vor Ort durch Einlagen gedeckt. "Rund 20 Prozent entfallen auf das Eigenkapital der Banken oder auf Zwischenbankeinlagen." Da im Fall der Fälle aus Sicht der Bank lediglich das Eigenkapital verloren gehe, könne "formal" daraus kein Staatsbankrott entstehen.

Auch das österreichische EZB-Ratsmitglied Ewald Novotny widerspricht US-Forscher Krugman. "Die Bonität des Staates und der österreichischen Banken steht außer Zweifel", ließ er sich von der österreichischen Presseagentur zitieren. Die Staatsverschuldung habe in Österreich Ende des Vorjahres 62,5 Prozent des BIP betragen. Damit liege man unter dem Mittelwert der Staaten des Euro-Raums.

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