Von Andre Köttner
Brasilien ist für mich von den so genannten BRIC-Staaten gerade deswegen so aussichtsreich, weil das Land nicht so einseitig aufgestellt ist wie das auf Öl und Gas konzentrierte Russland oder das exportabhängige China als Werkbank der Welt. Damit erreichen die Südamerikaner zwar nicht die explosiven Wachstumsraten der Asiaten, leiden aber auch nicht so stark unter den Verwerfungen der globalen Märkte. Gerade die Ausgewogenheit von inländischer Nachfrage, Rohstoffreichtum und der in vielen Bereichen erst am Anfang stehenden Entwicklung macht mich sehr zuversichtlich, so dass ich Brasilien in dem von mir gemanagten Fonds UniGlobal übergewichtet habe.
Besonders gut gefällt mir dabei die Vielfalt des Rohstoffangebots. Brasilien verfügt über große Mengen an Bodenschätzen von exzellenter Qualität, die sich bei einer wieder anziehenden weltwirtschaftlichen Nachfrage zu Exportschlagern entwickeln können. An erster Stelle zu nennen sind hier die Eisenerzvorkommen.
Deren Güte ist am Weltmarkt unübertroffen und macht brasilianisches Eisenerz zum begehrten Exportgut. Trotz hoher Transportkosten, die bis zu zwei Drittel des Preises ausmachen, werden rund 50 Prozent der geförderten Mengen nach China verschifft. Dem Bergbaukonzern Vale als bedeutendstem Unternehmen im Eisenerzbereich garantiert dies hohe Margen auch unter schwierigen weltwirtschaftlichen Bedingungen. Ernsthafte Wettbewerber sind angesichts der besonderen Reinheit des Erzes nicht auszumachen, so dass Vale eine marktbeherrschende Stellung einnimmt.
Für große Aufmerksamkeit hat vorletztes Jahr die Entdeckung des Ölfeldes Tupi als größter Fund der vergangenen 20 Jahre gesorgt. Zwar ist die Förderung der unter Wasser liegenden Reserven technisch sehr anspruchsvoll. Da mittelfristig aber wieder deutlich steigende Ölpreise zu erwarten sind, werden sich die gewaltigen Investitionen auszahlen. Hauptprofiteur ist der brasilianische Energiekonzern Petrobras, der rund 65 Prozent an Tupi besitzt und ab 2014 mit der Förderung beginnen will.
Die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes hat dem südamerikanischen Land negative Schlagzeilen beschert. Dass Brasilien bei der Energiegewinnung geradezu ein Musterland ist, wird dabei meist übersehen. Dank reicher Wasservorkommen können rund 80 Prozent des Energiebedarfs der Industrie durch Wasserkraft gedeckt werden.
Das ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Wasserkraft als äußerst effiziente und günstige Form der Energiegewinnung verschafft gerade energieintensiven Branchen wie der Stahlindustrie zusammen mit den reichhaltigen Eisenerzvorkommen strukturelle Vorteile. Auch auf anderen Gebieten wie alternativen Treibstoffen ist Brasilien seit langem schon Vorreiter, denn 40 Prozent des Kraftstoffverbrauchs werden durch Ethanol, der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird, gedeckt.
Angesichts der günstigen klimatischen Bedingungen überrascht dies nicht. Milde Temperaturen und fruchtbare Böden verschaffen dem Land Vorteile nicht nur bei der Nahrungsmittelproduktion, sondern auch bei der Gewinnung von Grundstoffen für die Industrie. Eukalyptusbäume können bereits nach sieben Jahren zu Zellstoff als Ausgangsprodukt für die Papierherstellung verarbeitet werden. Dagegen benötigen zum Beispiel Pinien, wie sie in Finnland angebaut werden, 25 Jahre, bevor eine Weiterverarbeitung möglich ist. Der Papier- und Pappehersteller Aracruz, der auch in der Forstwirtschaft tätig ist, erreicht so wesentlich höhere Margen als seine Wettbewerber.
Last but not least spricht für mich als überzeugtem Anhänger des Stock-Picking-Ansatzes die günstige Bewertung im Vergleich zu den meisten Emerging Marktes und Industrieländern für brasilianische Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in Brasilien derzeit bei 8.5, auf globaler Ebene hingegen bei fast 10.
Dass man auch in Zeiten weltweit fallender Finanzmärkte durch sorgfältige Länder- und Einzeltitelauswahl einen Mehrwert schaffen kann, zeigt auch die jüngste Entwicklung der brasilianischen Börse.
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