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27.03.2009
 

Bulthaupt-Kolumne

Krisengeld ist kein Inflationstreiber

Von Frank Bulthaupt

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise haben die Notenbanken ihre Gelddruckmaschinen angeworfen. Angesichts der Schwemme an Zentralbankgeld befürchten viele Marktteilnehmer ein kräftiges Anziehen der Inflation. Ein Blick auf die Verwendung des Krisengelds gibt Anlass zur Entwarnung.

Es ist schon kurios - da steigt die Geldmenge im Euro-Raum jahrelang mit Wachstumsraten zwischen 9 und 12 Prozent, und daraus resultierende Inflationsgefahren haben an den Märkten den Wert eines akademischen Disputs. Jetzt, inmitten der Krise, hat sich das Geldmengenwachstum auf unter 6 Prozent halbiert, aber das Thema Geldentwertung steht plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Zu Recht? Oder haben Kritiker, Nörgler, Wadenbeißer und andere pessimistische Zeitgenossen gegenwärtig Hochkonjunktur?

  Frank Bulthaupt , Professor für Kapitalmärkte und Volkswirtschaftslehre an der Sparkassen-Hochschule in Bonn, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Professor für Kapitalmärkte und Volkswirtschaftslehre an der Sparkassen-Hochschule in Bonn, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de

Der theoretische Grundansatz ist eindeutig: Tauscht man Geld gegen Güter, so verdoppeln sich die Güterpreise, wenn man die Zahl der Geldscheine verdoppelt. Mit dem gleichen Argument zieht ein Geldmengenwachstum von 10 Prozent eine ebenso hohe Preissteigerung nach sich; erhöht sich außerdem die Güterproduktion um 2 Prozent, so resultiert aus der Differenz eine Inflationsrate von 8 Prozent.

Diese Argumentation wird der aktuellen Lage nicht gerecht: Das zusätzliche Geld aus der Notenpresse versickert bei den Geschäftsbanken und kommt daher nur teilweise in der Wirtschaft an; seit vergangenem Oktober wird es in großem Stil gleich wieder als Einlagefazilität oder Überschussreserve bei der EZB gehortet. Schließlich benötigen die Geschäftsbanken in Zeiten unsicher funktionierender Geldmärkte selbst einen Liquiditätspuffer.

Jeder Euro, den die EZB in Zeiten vor der Krise den Geschäftsbanken gegen notenbankfähige Sicherheiten lieh, hatten diese seinerzeit für die Kreditvergabe an die Realwirtschaft genutzt. Mittlerweile liefert jeder Euro Zentralbankgeld wegen des Eigenbedarfs der Banken nur noch zur Hälfte einen Liquiditätsbeitrag für Unternehmen und Haushalte.

Liquidität wird aber im privaten Sektor dringend benötigt. Unternehmen haben auf die unsicheren Zeiten reagiert und versuchen ihrerseits, ihre Liquiditätspuffer bestmöglich auszuweiten. Blickt man auf das Finanzvermögen der Privaten, so wurden in ihren Portfolios riskante Engagements zurückgefahren und Umstrukturierungen zugunsten einer höheren Liquiditätshaltung vorgenommen.

In diesem Umfeld ist die EZB gehalten, dem Bankensektor ausreichend Zentralbankgeld zur Verfügung zu stellen. Dies schafft die Voraussetzung, den merklich gestiegenen Liquiditätsbedarf von Unternehmern und Vermögensbesitzern angemessen zu decken.

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