Bereits nach knapp vier Wochen droht der feierliche Schwur von Berlin in Vergessenheit zu geraten. "Ja, wir wollen Kündigungen verhindern", hatten 25 Dax-Vorstände nach einem Treffen mit Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) Anfang Januar gelobt.
Doch mit ThyssenKrupp
"Wir sind nun mal nicht in einer Planwirtschaft, in der Betriebe ihren Personalbedarf für die nächsten fünf Jahre festlegen", sagt ein Restrukturierungsexperte, der sich über ausbleibende Aufträge derzeit nicht beschweren kann. "Es ist aber gefährlich, wenn man solche Versprechen schnell wieder bricht." Der krampfhafte Versuch, die Bürger in Krisenzeiten zu beruhigen, könnte sich in sein Gegenteil verkehren.
Das Vertrauen in die illustren Berliner Runden, besetzt mit Vertretern aus Regierung und Großkonzernen, schwindet angesichts derartiger Luftnummern dahin. Das hat insofern sein Gutes, als es den Blick dafür schärft, was solche Treffen tatsächlich ausrichten können - und welche Schäden möglicherweise sogar entstehen. Die Dax-Konzerne gelten dabei gerade in Krisenzeiten vielfach als "die deutsche Wirtschaft", doch beschäftigen sie lediglich etwa 6 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland.
"Wir retten die Wirtschaft, mit Hilfspaketen, Konjunkturprogrammen und guten Absichten" - das ist das Signal, das von den Gesprächskreisen ausgehen soll. Tatsächlich gehen die Beschlüsse, die in allen Details zum Teil gar nicht bekannt werden, oft an den langfristigen Bedürfnissen von Wirtschaft und Gesellschaft vorbei. Die Kungelrunden aus Politik und Dax-Konzernen orientieren sich zu oft an anderen Kriterien, die mehr mit den kurzfristigen Bedürfnissen der Beteiligten zu tun haben.
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