26.01.2009
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Continental/Schaeffler

"Sündenfall" Conti erschreckt Investoren

Von Lutz Reiche

2. Teil: Risiko einer Kapitalerhöhung scheint gebannt

Risiko einer Kapitalerhöhung scheint vorerst gebannt

"Als großen Verlust" interpretierte Pieper die Tatsache, dass Conti-Finanzchef Alan Hippe zu ThyssenKrupp Chart zeigen wechseln wird, wie manager magazin exklusiv gemeldet hatte. Unter dem Strich sei aber auch diese Nachricht positiv zu bewerten. Denn damit verringere sich das Risiko einer Kapitalerhöhung. Noch vor zwei Wochen hatte Hippe bei einer Investorenveranstaltung eine Kapitalerhöhung ins Gespräch und die Conti-Aktie damit kräftig unter Druck gebracht. Schaeffler lehnt eine Kapitalerhöhung entschieden ab.

Positiv bewertete Pieper ebenso die Meldung der "Börsen-Zeitung" (Samstagausgabe), dass es Conti offenbar gelungen ist, seine gesamte Verschuldung mit rund 50 Gläubigerbanken neu zu verhandeln beziehungsweise die Kreditlinien neu zu strukturieren. "Auch das ist für mich ein positives Zeichen", so Pieper.

"Vielleicht haben einige in dem Machtkampf auf Conti gesetzt"

Warum die Conti-Aktie am Montag dennoch drastisch abrutschte, darüber ließe sich nur spekulieren: "Möglicherweise haben einige Investoren darauf gesetzt, dass Conti sich in diesem Machtkampf behaupten wird. Sie bewerten den jetzt wachsenden Einfluss von Schaeffler eher negativ", sagte der Analyst vom Bankhaus Metzler. Schaeffler bleibe für den Kapitalmarkt die "große Unbekannte". Vermutlich stünde das hoch verschuldete Familienunternehmen finanziell ebenso mit dem Rücken zur Wand. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hätten sich sechs Banken, die Schaeffler die Conti-Übernahme finanzieren, große Teile des Familienimperiums als Sicherheit geben lassen.

Ein Frankfurter Händler sagte: "Das scheint ein großes Chaos zu werden." Vor allem eine mögliche direkte Investition des Staates bewertete er belastend für Conti-Aktien.

Mit einer direkten Beteiligung des Landes Niedersachen rechnete Pieper dagegen nicht und würde davon auch abraten. Bürgschaften oder Garantien hält der Analyst dagegen für akzeptabel. Es sollte darum gehen, mit möglichen Staatsgarantien die kommenden sechs Monate zu überbrücken, bis sich die Lage an den Finanz- und Kreditmärkten wieder ein wenig stabilisiere und die Konjunktur Zeichen der Erholung zeige.

Michael Punzet von der DZ Bank bestätigte am Montag seine Kaufempfehlung für Conti ebenso wie Tim Schuld von Equinet. Nach der Einigung zwischen den Unternehmen sollten die operativen Herausforderungen wieder stärker in den Fokus rücken, erklärte Punzet. Schuld interpretiere staatlichen Einfluss auf Unternehmen zwar generell negativ. In Fall Conti und Schaeffler aber sorgten mögliche Bürgschaften des Staates für mehr Stabilität und seien damit grundsätzlich positiv zu sehen.

Auch Schuld geht davon aus, dass das Risiko einer Kapitalerhöhung sich jetzt eher verringert habe. Den Zusammenschluss mit Schaeffler beurteilte der Experte allerdings negativ: "Die Synergien sind gering." Außerdem bestehe das Risiko, dass Schaeffler im Rahmen der Transaktion einen großen Teil seiner Schulden auf Conti abwälze. Dennoch beließ auch der Equinet-Experte sein Votum für die Conti-Aktien auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 22 Euro. Pieper vom Bankhaus Metzler traut der Aktie auf Sicht von zwölf Monaten rund 23 Euro zu.

Frank Schwope von der NordLB hält die jüngsten Kursabschläge zwar für übertrieben, gleichwohl hielt der Experte am Montag an seiner Verkaufsempfehlung für die Cont-Aktie fest. "Die Wirtschaftskrise ist noch nicht ausgestanden. Eine nachhaltige Erholung der Automobilkonjunktur sehe ich so schnell nicht", begründete der Analyst seine vorsichtige Haltung.

mit Material von dpa

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