Von Lutz Reiche
Hamburg - Gerüchte über mögliche Staatshilfen für den Autozulieferer Continental
haben am Montag dessen Aktien schwer belastet. Dem "Handelsblatt" (Montagausgabe) zufolge wollen Niedersachsen und Bayern den beiden hoch verschuldeten Autozulieferern Conti und Schaeffler mit voraussichtlich jeweils einer halben Milliarde Euro zur Seite springen.
Damit würde der Staat in der laufenden Finanz- und Wirtschaftskrise erstmals unmittelbar einem großen Industriekonzern unter die Arme greifen. Gut möglich, dass die Conti-Investoren am Montag auch deshalb so verschreckt reagierten. NordLB-Analyst Frank Schwope wollte das jedenfalls nicht ausschließen.
"Die Investoren sind in hohem Maße verunsichert", sagte der Experte im Gespräch mit manager-magazin.de. Staatshilfen würden das operative Geschäft der beiden Autozulieferer sicherlich erleichtern. Wie aber die denkbare Hilfe auch aussehen werde, sie sei ein Indiz dafür, dass es bei Conti und Schaeffler Probleme gebe. Und: Der psychologische Effekt möglicher Staatshilfen für eines der ersten deutschen Industrieunternehmen in der laufenden Finanzkrise sei nicht zu unterschätzen. Bislang hatte der Staat hier vor allem Unternehmen aus der Finanzindustrie unterstützt.
Die im MDax
notierten Aktien von Continental
brachen am Montag in der Spitze auf 12,33 Euro ein. Das ist der tiefste Stand seit gut sechs Jahren. Allein seit Jahresbeginn haben die Papiere damit rund 57 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Der Conti-Großaktionär Schaeffler (49,9 Prozent) hatte am Wochenende den wochenlangen Machtkampf bei Conti
für sich entschieden und stellt künftig den Aufsichtsratschef.
In welcher Form die Bundesländer den beiden mit rund 22 Milliarden Euro verschuldeten Autozulieferern zu helfen gedenken, ist unklar. In Frage kommen Bürgschaften und Garantien, aber auch eine direkte Beteiligung ist denkbar. Niedersachsen soll eine Hilfszusage an die Bedingung geknüpft haben, dass Schaeffler den eigentlichen Kern des Konzerns - nämlich Contis Reifen- und Schlauchgeschäft - aus der Gruppe herauslöse und unter die Führung von Hubertus von Grünberg stelle, heißt es. Grünberg war langjähriger Conti-Aufsichtsratschef. Faktisch würde der Konzern damit in eine Gummi-Sparte und einen zweiten Konzernteil Autotechnik aufgespalten.
Sprecher der Landesregierungen bestätigten am Montag lediglich, dass man mit beiden Unternehmen spreche. Es gebe aber noch keinerlei Vereinbarung oder Zusagen. Dies dürfte die Verunsicherung der Investoren zusätzlich geschürt haben, glaubt Analyst Schwope.
Andere Analysten hingegen zeigten wenig Verständnis für den Kurssturz der Conti-Aktie: "Ich stimme mit der Marktreaktion eindeutig nicht überein", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler im Gespräch mit manager-magazin.de. Pieper beurteilt die kolportierte Einigung vom Wochenende grundsätzlich positiv und hatte die Aktie am Morgen in Reaktion darauf sogar von "Verkaufen" auf "Kaufen" heraufgestuft.
Analysten sehen Conti-Aktie als Kauf
Die beiden Unternehmen hätten in der Vergangenheit nicht den Willen erkennen lassen, an einem Strang zu ziehen, sondern im Gegenteil sogar gegeneinander gearbeitet. "Hier scheint man am Wochenende ein deutliches Stück vorangekommen zu sein", erklärte Pieper. Auch die anstehenden Personalveränderungen - von Grünberg soll den Conti-Aufsichtsratsvorsitz an den Scheaffler-Strategen und M&A-Spezialisten Rolf Koerfer abgeben aber dem Kontrollgremium weiter angehören - bewertet der Analyst positiv: "Er ist ein brillianter Kopf, kennt Conti von allen Beteiligten am besten. Das ist eine gute Lösung."
Dass Schaeffler jetzt in das Conti-Kontrollgremium mit vier Vertretern einziehe und vermutlich auch mehr Einfluss gewinne, sei angesichts einer Beteiligung von 49,9 Prozent "völlig natürlich und angemessen". Es gebe jetzt endlich eine klare Richtung. "Das halte ich für besser, als wenn sich der Machtkampf noch monatelang hinziehen würde."
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