Aber ist der Austritt aus der Euro-Gemeinschaft, die Rückgabe der gemeinsamen Währung nebst Rückkehr zum eigenen Zahlungsmittel also, tatsächlich eine Option? Welche Vorteile brächte er den schwächelnden Staaten? Und wären nicht auch Nachteile damit verbunden? Der Reiz eines solchen Schrittes liegt auf der Hand: Die Länder bekämen mit einem eigenen Zins, einem flexiblen Wechselkurs sowie nicht zuletzt der eigenen Notenpresse zusätzliche Möglichkeiten, sich Luft zu verschaffen. "Um einen Staatsbankrott abzuwenden, könnte das eine Notlösung sein", sagt Zinsexperte Schnautz. "In Frage kommende Staaten könnten beispielsweise versuchen, mit hohen Zinsen und hoher Inflation gegen ihre Staatsverschuldung anzukämpfen. Dazu müssten sie allerdings erstmal Investoren finden, die dieses durchsichtige Spiel mitspielen."
Auch andere Experten sind skeptisch. "Gerade die kleinen Staaten wie Irland und Griechenland waren es, die von der Einführung des Euro und der gemeinsamen Zinspolitik profitiert haben", sagt Matthias Bayer, Staatsanleihenexperte bei der Fondsgesellschaft Frankfurt Trust. "Ein Ausscheren würde über kurz oder lang die Rückkehr zu den alten Spreads für sie bedeuten - und die lagen noch deutlich über dem, was sie heute zahlen."
Bayer hält es für wahrscheinlicher, dass die europäische Staatengemeinschaft eine gemeinsame Lösung für die Probleme einiger ihrer Mitglieder findet. Auch im Bundesfinanzministerium wird diese Variante favorisiert, wie aus Äußerungen eines Sprechers gegenüber manager-magazin.de hervorgeht. Eine klare Vorstellung davon, wie eine solche Lösung aussehen könnte, gibt es in Berlin aber offenbar - auch nach dem Treffen der europäischen Finanzminister am Dienstag - noch nicht.
Möglich wäre die Ausgabe von Gemeinschaftsanleihen verschiedener Länder. Deren Verzinsung würde dem Risikomix der beteiligten Staaten entsprechen. Schwache Länder wie Griechenland oder Spanien könnten ihre Finanzierungskosten auf diese Weise also senken. Auf der anderen Seite stiegen die Kosten für solvente Schuldner wie Deutschland - kein Wunder also, dass die Idee bei der Bundesregierung bislang wenig Begeisterung ausgelöst hat.
Klar ist jedoch: Der Staatsbankrott eines Landes - Austritt aus der Euro-Zone hin oder her - sollte in jedem Fall verhindert werden. Zu groß wäre der Imageschaden für die europäische Staatengemeinschaft - und zu dramatisch wäre zudem die abschreckende Wirkung auf Investoren, was sich zwangsläufig in weiter steigenden Spreads niederschlagen würde.
Ein gutes hat das Auseinanderdriften der Anleihezinsen indes. Anlegern bietet sich dadurch die Möglichkeit, ihr Portfolio breiter zu diversifizieren, indem auch Papiere größeren Risikos und höherer Verzinsung mit aufgenommen werden. Profis sehen den idealen Zeitpunkt zum Handeln allerdings noch nicht gekommen. "Der Markt neigt immer zu Übertreibungen", sagt etwa Fondsmanager Bayer. "Und die Phase der Übertreibung ist bei den Anleihen finanzschwacher Länder bislang noch nicht erreicht." Der Spread für die zehnjährigen Anleihen Griechenlands etwa, so der Experte, könne noch auf 400 Basispunkte steigen - erst in dieser Region sähe Bayer Anlass, die Papiere anzufassen.
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