Von Karsten Stumm
"Gewinnschätzungen sind noch überhöht"
Noch sind viele Experten gar nicht nachgekommen, ihre Gewinnschätzungen für die wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften der befürchteten Wirtschaftsentwicklung anzupassen.
Entsprechend benommen wirken derzeit die Börsenanalysten. Die Cominvest etwa, die im laufenden Jahr wie so viele andere so kräftig daneben lag, möchte dieses Mal lieber gar keine exakte Dax-Prognose abgeben. Zu groß scheinen ihren Experten die Unwägbarkeiten geworden zu sein.
"Punktprognosen für den Dax im Jahr 2009 bleiben angesichts der anhaltend hohen Volatilitäten zwar nach wie vor wenig sinnvoll. Die Cominvest geht jedoch davon aus, dass die weltweit wichtigsten Aktienmarktindizes am Jahresende 2009 auf höheren Niveaus liegen werden als derzeit", sagt Ingo Mainert, Geschäftsführer und Chief Investment Officer der Cominvest.
Bange machen lässt sich die Gilde der Börsen- und Wirtschaftspropheten also dennoch nicht. Und manche zeigen sogar schon wieder Mut: Während andere Wirtschaftsforscher ihre bisherigen Prognosen noch der Rezession anpassen, wagt der Chefvolkswirt der Allianz-Dresdner-Gruppe schon einen Blick auf die mögliche nächste Erholung.
"Dafür, dass sie im Verlauf von 2009 kommt, sprechen die weltweit sehr expansive Geldpolitik, gewaltige fiskalische Stützungspakete sowie die historisch niedrigen Zinsen", sagt Michael Heise. Und seiner Meinung ist auch Christian Heger: "Die voluminösen globalen Konjunkturprogramme werden die Nachfrage 2009 deutlich stimulieren", ergänzt der Chefstratege von HSBC Investments.
Behalten die beiden Recht, bliebe den Bundesbürgern eine langwierige Stagnationsphase erspart, die Deutschland zum Beispiel zwischen 2003 und 2005 im Griff hatte. Stattdessen könnten sie auf eine schnellere Erholung hoffen: eher eine "V"- als eine "U"-Konjunkturformation also.
Und was hieße das für den Dax? "Zur Jahresmitte 2009 könnte er bei 6000 Punkten stehen", sagt Matthias Jörss, leitender Aktienstratege bei Sal. Oppenheim. Man wird sehen.
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