Von Thomas Grüner
Kaum ein Bereich bleibt derzeit von Verlusten in historischen Dimensionen verschont. Die Kurse der Bauwerte Bilfinger Berger
, Hochtief
oder Wienerberger
beispielsweise sind binnen Jahresfrist zwischen 65 Prozent und 80 Prozent gefallen – mehr als der Durchschnitt der großen Indizes. Und sie stehen exemplarisch für das gesamte Immobiliensegment an der Börse: Die Aktien der Immobilienspezialisten von Estavis
, Colonia Real Estate
und der IVG Immobilien
haben auf Jahressicht gar zwischen 87 und 85 Prozent ihres vorherigen Wertes eingebüßt.
Sogar der durchschnittliche Kursverlust der 20 Immobilienaktien im deutschen Prime Standard beträgt mit etwa 65 Prozent nahezu 25 Prozent mehr als das Minus des Frankfurter Vorzeigeindexes Dax
Die globale Finanzkrise sorgt aber nicht nur an den Börsen für chaotische Zustände. Auch die realen Immobilienmärkte sind betroffen. In den USA spitzt sich die Lage am Hypothekenmarkt zu. Eine Abwärtsspirale ist im Gang. Obwohl sich die Kreditkonditionen in den vergangenen Monaten deutlich verbessert haben, geraten immer mehr US-Bürger in Zahlungsschwierigkeiten. Der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit verschärft die Lage zusätzlich. Die Anzahl der Zwangsversteigerungen steigt beständig. Dies wiederum verstärkt das ohnehin schon große Angebot an Wohnimmobilien – der Preisverfall wird dadurch zusätzlich angeheizt.
Kursverluste im hohen zweistelligen Bereich: Immobilienaktien gehören zu den besonders betroffenen Anteilsscheinen in der Finanzkrise
Die Krise schwappt zunehmend auf Europa und auch Deutschland über. Hypotheken mit fünf Jahren Laufzeit und solche mit 10-jähriger Bindungsfrist sind derzeit mit nominal 3,75 Prozent sowie 3,95 Prozent extrem günstig und notieren nahe ihrer historischen Tiefstände. Während sich bei Kreditvermittlern die Hypothekenzinsen im freien Fall befinden, fehlt Investoren der Mut, diese Krise zu nutzen. Ein Käuferstreik ist zu beobachten, ähnlich wie an den Aktienmärkten.
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