Brüssel/Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Euro-Zone so stark gesenkt wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Der EZB-Rat habe beschlossen, den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent zu senken, teilte die EZB am Donnerstag nach einer Sitzung der nationalen Notenbankchefs der Euro-Länder und der Führungsspitze der EZB in Brüssel mit.
Zuvor hatten bereits die Zentralbanken von England und Schweden ihrer Zinsen massiv nach unten korrigiert. Die Bank of England senkte den Leitzins von 3,0 auf 2,0 Prozent. Die schwedische Zentralbank korrigierte das Zinsniveau um 1,75 Prozent auf ebenfalls 2,0 Prozent nach unten.
Ökonomen hatten zwar eine deutliche Zinssenkung der EZB erwartet, diese aber mehrheitlich auf 0,5 Punkte veranschlagt. Zuletzt hatten sich die Konjunkturdaten dramatisch verschlechtert und der Inflationsdruck kräftig nachgelassen. Im Oktober und November hatte die Notenbank den Leitzins wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise um je 0,5 Punkte verringert.
Die EZB hat unterdessen ihre Wachstums- und Inflationsprognosen für das laufende und das kommende Jahr gesenkt. "Vor allem der Rückgang der Rohstoff- und Rohölpreise dürfte die Inflation weiter nach unten bringen", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Leitzinsentscheidung der Notenbank. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum um 0,5 Prozent schrumpfen, so EZB-Präsident Trichet weiter.
Damit ist die EZB wesentlich pessimistischer als bisher. Im September war sie noch von einem robusten Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent ausgegangen. Die EU-Kommission sagt ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent voraus.
"Die Zinssenkung ist sinnvoll, aber sie hätte deutlicher ausfallen müssen", sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel am Donnerstag zum Beschluss des EZB-Rates. "Die EZB muss schnell weiter runter auf ein Prozent - so wie die US-Notenbank." Es gebe derzeit keine Inflationsgefahr mehr, weshalb sich die EZB auf die Stimulierung des Wirtschaftswachstums konzentrieren könne.
"Mit dieser Entscheidung sendet die EZB ein positives und vertrauensförderndes Signal an die Finanzmärkte und an die Wirtschaft", sagte hingegen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU).
Der Bundesverband Öffentlicher Banken nannte die Entscheidung ein "richtiges und wichtiges Signal gegen den konjunkturellen Abschwung". Auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) äußerte sich positiv. "Die EZB nutzt damit den zusätzlichen Spielraum für eine Zinssenkung, der sich durch die rapide rückläufige Inflation eröffnet", sagte BVR-Präsident Uwe Fröhlich. In wirtschaftlich besseren Zeiten müsse die EZB aber ihre Zinsen rasch wieder anheben, um Ungleichgewichte zu verhindern.
manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, afp, dpa und reuters
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