Bonn - In das Ringen um den angeschlagenen Autobauer Opel hat sich überraschend der Bonner Solartechnikkonzern Solarworld
eingemischt. Das Unternehmen schlägt vor, die vier deutschen Opel-Werke und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim zu übernehmen. Ziel sei es, das zum US-Konzern General Motors (GM)
gehörende Unternehmen zum "ersten 'grünen' europäischen Autokonzern" weiterzuentwickeln, teilte Solarworld am Mittwoch mit.
Opel lehnte ab. Der Autobauer stehe nicht zum Verkauf, reagierte GM-Europe-Sprecherin Karin Kirchner auf die unerwartete Offerte.
Nach Vorstellung von Solarworld sollten in den Opel-Werken künftig vor allem Fahrzeuge mit energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben wie Elektro- und Hybridmotoren hergestellt werden.
Das Entwicklungszentrum arbeite bereits an dem von GM geplanten Elektroauto Chevrolet Volt. Solarworld habe Erfahrung mit einer derartigen Übernahme: Vor zwei Jahren übernahm das Unternehmen die Solarsparte des Ölkonzerns Shell
gegen eine Kompensation von 100 Millionen Euro, sanierte die Verlust bringenden US-Standorte und schreibt damit inzwischen schwarze Zahlen.
"Dafür kann die Solarworld AG Opel Barmittel in Höhe von 250 Millionen Euro und Banklinien von 750 Millionen Euro vorbehaltlich einer Bundesbürgschaft bereitstellen", hieß es in der Mitteilung. Voraussetzung für das Angebot sei allerdings die komplette Trennung vom angeschlagenen GM-Konzern und eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro je Arbeitsplatz. Das wären insgesamt eine Milliarde Euro und damit genauso viel, wie Solarworld als mögliche Gebotshöhe in Aussicht stellt.
Solarworld-Aktien bauten nach der Meldung ihre Kursverluste weiter aus und sackten mit einem Minus von 14,5 Prozent ans TecDax-Ende. Händler bewerteten die Nachricht in einer ersten Reaktion als eine "gute PR-Nummer" von "Sonnenkönig" Frank Asbeck, des Vorstandschefs von Solarworld.
Ein weiterer Börsianer bezeichnete die Nachricht als schwierig, da Opel nur eine europäische Tochter im GM Konzern ist. Sollte der Solarkonzern jedoch mit seinem Angebot Erfolg haben, bewerte er das eher als negativ, da Solarworld keine Erfahrungen im Autosektor hat. GM Europe kommentierte die Nachricht nicht.
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält das Angebot nicht für komplett abwegig. "Das wäre eine Herkulesaufgabe für das Unternehmen, aber nicht völlig unmöglich", sagte der Autoexperte am Mittwoch in einem ersten Kommentar. Es gelte zu analysieren, ob Solarworld wirklich eine Milliarde Euro zusammen bekommen könnte - und ob GM Opel zu diesem Preis abgeben würde. "Für Opel wäre es jedenfalls nicht schlecht, wenn es einen Neuanfang gäbe", sagte Dudenhöffer.
In den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche Vorschläge gegeben, Opel aus dem schwer angeschlagenen US-Mutterkonzern herauszulösen. Zuletzt hatte die Opel-Führung betont, dass dies kaum umsetzbar sei. Opel beschäftigt am Stammsitz im hessischen Rüsselsheim sowie in Bochum (Nordrhein-Westfalen), Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) knapp 30.000 Menschen. Für Solarworld arbeiten rund 2200 Menschen.
manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa-afx
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