Warum die deutschen Banken am schlechtesten dastehen
Zum Vergleich: Die Aktienrendite der US-Bankaktien fiel laut BCG um 0,3 Prozentpunkte auf "lediglich" minus 21,3 Prozent - obwohl die schlimmsten Nachrichten in den vergangenen Monaten von der Wall Street kamen (Verstaatlichung von Fannie Mae
und Freddie Mac
, Untergang der Investmentbanken inklusive Lehman-Pleite
und Verkauf von Merrill Lynch
, Sanierung der US-Banken mit 700 Milliarden US-Dollar aus dem Staatssäckel). Für die britischen Bankwerte ging es laut BCG um 9,6 Prozentpunkte auf minus 25 Prozent abwärts.
"In den Medien werden vor allem die Probleme der großen US-Banken beleuchtet", erläutert BCG-Experte Luther. "In unsere Untersuchung wurden alle wesentlichen börsennotierten Institute betrachtet, von denen einige deutlich weniger schlecht abgeschnitten haben."
Hinzu kommt laut Luther, dass die deutschen Banken - getrieben vor allem von Übernahmespekulationen um die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Postbank - 2007 besonders gut performt haben. Sie starteten also im Januar mit vergleichsweise großer Fallhöhe ins neue Jahr. "die Zahlen bedeuten nicht, dass die deutschen Banken operativ schlechter gearbeitet haben, als die Konkurrenz", so sein Fazit.
Im internationalen Ranking rutschten die deutschen Banken dennoch heftig ab. Unter den Top 30 findet sich laut BCG keine mehr von ihnen. Ende 2007, bei der letzten Analyse durch die BCG, hatte die Deutsche Bank noch Platz 23 belegt. Beim Update im März 2008 war es sogar Platz 22. Inzwischen ist der deutsche Branchenprimus mit einem Börsenwert von nur noch 40,3 Milliarden US-Dollar auf Platz 33 im internationalen Vergleich zurückgefallen. Die Commerzbank folgt weit dahinter (Platz 103, Marktkapitalisierung: 11 Milliarden US-Dollar).
Größte Bank der Welt mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 200 Milliarden Dollar ist nach wie vor die chinesische ICBC
. Auf den Plätzen folgen die britische HSBC
sowie J.P. Morgan Chase
aus den USA, die sich um vier Plätze verbessern konnte.
Am glimpflichsten kamen Anleger davon, die in kanadische Banken investiert haben. Die durchschnittliche Aktienrendite des dortigen Bankensektors für die ersten neun Monate dieses Jahres ist zwar ebenfalls negativ. Mit minus 6,6 Prozent fallen die Verluste im weltweiten Vergleich aber am geringsten aus. Folgerichtig gehören die kanadischen Banken zu den erfolgreichsten Aufsteigern im globalen Bankenranking. Sowohl die Royal Bank of Canada
als auch die Toronto-Dominion Bank
und die Bank of Nova Scotia
verbesserten ihre Position um jeweils mehr als zwölf Plätze.
"Die Untersuchung bestätigt, dass Banken, die im Privat- und Firmenkundengeschäft gut aufgestellt sind, und nicht so sehr vom Investmentbanking abhängen, besser davongekommen sind", kommentiert Luther von BCG. "Für die kanadischen Institute jedenfalls gilt das."
Mitarbeit: Franziska Fischer-Zernin
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