Von Grit Beecken
"Die Situation ist grotesk"
"Verrückt" sei die richtige Bezeichnung für die Situation am Geldmarkt, sagt Arne Holzhausen. Holzhausen leitet bei der Allianz Dresdner Economic Research den Bankenbereich. Seine Kollegin Claudia Broyer ergänzt: "Die Situation ist grotesk". Denn seit einem Jahr übernimmt die EZB nun schon den Interbankenhandel - das sei länger, als ursprünglich geplant. Wann ein Ende absehbar ist, darüber will kein Marktteilnehmer etwas sagen. Auch die EZB nicht.
"Seit Beginn der Finanzmarktturbulenzen leihen wir höhere Summen längerfristig aus", sagt Bundesbanksprecherin Madleen Petschmann. "Im gleichen Maße wurden die Wochentender reduziert oder liquiditätsabsorbierende Feinsteuerungsoperationen durchgeführt". Das Bundesbankdeutsch will besagen: Was früher wochenweise ausgeliehen wurde, wird den Banken nun für drei- oder sechs Monate überlassen – das soll Planungssicherheit bringen und das Vertrauen der Banken untereinander stärken.
Die Zentralbankgeldmenge wächst durch diese Eingriffe nicht, da sich nur die Zeiträume der Zuteilungen ändern, nicht aber die Höhe. Zudem entzieht die EZB dem Markt auch Geld. Am Mittwoch nahm sie 200 Milliarden Euro aus dem Markt, indem sie anlagewilligen Banken 4,25 Prozent Zinsen für ihre Einlagen bot.
Grundsätzlich begrüßen die Marktteilnehmen das Handeln der EZB. Es gibt aber auch Kritik: "Durch die Geldspritzen löst die EZB das Problem nicht, auch wenn es den Banken erst einmal gut getan hat", sagte Commerzbank Chefvolkswirt Michael Schubert am Dienstag.
Schließlich übernehme die EZB derzeit die Umverteilung der Banken. Und das sei nicht ihre Aufgabe und langfristig auch nicht in ihrem Interesse. Das Dagobert-Prinzip funktioniert eben doch nur in Entenhausen.
Quelle: HSH Nordbank
Mitarbeit: Franziska Fischer-Zernin
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