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02.10.2008
 

Interbankenhandel

Das Dagobert-Prinzip

Von Grit Beecken

In der Finanzkrise parken Banken Rekordsummen bei der Europäischen Zentralbank, anstatt einander Kapital zu leihen. Weil jeder jedem misstraut, hat die Notenbank den Interbankenhandel übernommen. Auf diese Weise will sie das fatale Dagobert-Prinzip knacken und wieder Vertrauen im Markt schaffen.

Hamburg - In Zeiten der Finanzkrise wanken nicht nur Banken, sondern auch Prinzipien. "Die Theorie kann man im Moment vergessen", sagt beispielsweise Thomas Koch, Analyst bei der HSH Nordbank. Die Theorie besagt, die Europäische Zentralbank (EZB) sei der "Kreditgeber der letzten Instanz" und solle erst ins Spiel kommen, wenn eine Bank in Folge einer Liquiditätskrise strauchelt. Dann springt sie ein und überbrückt den Engpass.

Dagobert-Prinzip 1: Sammle die Taler immer gleich dann, wenn Du sie bekommen kannst und gib sie nicht wieder her
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DPA

Dagobert-Prinzip 1: Sammle die Taler immer gleich dann, wenn Du sie bekommen kannst und gib sie nicht wieder her

Momentan aber wollen die Banken einander kein Geld leihen, weil keiner weiß, wer als nächstes in Schwierigkeiten gerät. In diesem Marktumfeld springt die EZB in die Bresche: Täglich pumpt sie Milliardenbeträge - in Euro und US-Dollar - in die Märkte. So ist aus dem Kreditgeber der letzten Instanz der Kreditgeber der ersten Instanz geworden. Irgendwer muss die Wirtschaft schließlich mit Liquidität versorgen: Damit Kredite ausgezahlt werden können, Überweisungen die Konten verlassen und sich die Wirtschaftwelt weiter dreht.

Mit der Übernahme des Interbankenhandels steckt die EZB mitten in einer schwierigen, wenn nicht unmöglichen Mission. Diese beschreibt Bernd Früh, Vorstand des Fondsanbieters Tiberius: "Die Notenbank will wieder Vertrauen am Markt schaffen - was allerdings nur begrenzt möglich ist". Wisse doch niemand so genau, wie viele faule Kredite noch ausfallen und bei wem sie liegen. "Daher können Banken die Transparenz, die der Interbankenhandel braucht, derzeit auch gar nicht schaffen", schließt Früh.

Geld über Nacht zur EZB - und nicht zur Konkurrenz

Der EZB-Tender
Über einen Tender können sich Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren. Das Prinzip: Die interessierten Geschäftsbanken teilen der Notenbank mit, wie viel Geld sie sich zu welchem Zinssatz von der EZB leihen wollen. Die EZB legt einen Mindestzinssatz fest und teilt die ausgeschriebene Tendermenge entsprechend der Gebote zu. Beispielweise wurden am 30. September 50 Millionen US-Dollar per Tender verteilt. Für das geliehene Geld müssen die Geschäftsbanken der EZB Sicherheiten stellen - das kann in Form von Wertpapieren geschehen. Um Liquiditätsschwankungen schnell ausgleichen zu können, verwendet die Notenbank den sogenannten Schnelltender. Ein Schnelltender wird bei Bedarf innerhalb von einer oder zwei Stunden abgewickelt.
Dabei brauchen die Banken eigentlich gar kein Geld - das hat die EZB berechnet. Die Kreditinstitute haben einen Mittelüberschuss von 40 Milliarden Euro. Trotzdem leihen sie sich bei jedem Tenderverfahren (siehe Infokasten) Kapital.

"Die Banken sorgen vor, weil sie Angst haben, bei weiteren Marktverwerfungen ohne ausreichende Liquidität dazustehen", erklärt HSH-Nordbank-Analyst Koch diese Situation. Und wenn sie dann zu viel Geld auf ihren Konten haben, leihen sie es einfach der EZB.

Auch das zeigt, wie belastet die Märkte sind. Vor Beginn der Krise legten Banken nur dann über Nacht Geld bei der EZB an, wenn sie spät abends Liquiditätsüberschüsse hatten.

Denn für diese Einlagen gibt es nur wenig Zinsen. Mittlerweile parken Banken Rekordsummen in der so genannten Einlagefazilität.

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