29.09.2008
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Milliardenpaket

Dramatische Nachtaktion rettet HRE

Von Andreas Nölting und Christoph Rottwilm

2. Teil: Große Rechnung für den Steuerzahler

Große Rechnung für den Steuerzahler

Das Problem, das die aktuelle Ad-hoc-Rettung erforderlich gemacht hat, war nun, dass das Depfa-Management umfangreiche Kredite langfristig ausgeliehen und kurzfristig gegenfinanziert hat - und dass diese Refinanzierung ausgerechnet jetzt erneuert werden musste. Denn nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen in den USA ist der Interbankenmarkt, über den sich die Geschäftsbanken kurzfristig finanzieren, komplett zusammengebrochen. Kredite sind seitdem kaum noch und wenn, dann nur zu horrenden Preisen zu bekommen.

Immer für eine Überraschung gut: Vorstandsvorsitzender Georg Funke
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Immer für eine Überraschung gut: Vorstandsvorsitzender Georg Funke

Geldmarktinsider wundern sich über die Schwierigkeiten der HRE daher nicht. "Das hat sich seit mindestens einer Woche abgezeichnet", sagt der Analyst einer Großbank zu manager-magazin.de. "Der Aktienmarkt vollzieht heute lediglich nach, was der Kreditmarkt vor zwei Wochen vorgemacht hat." Unmittelbar nach Handelsstart verlor der Kurs der HRE-Aktie heute den Boden unter den Füßen und brach in der Spitze um deutlich mehr als 70 Prozent ein.

Ein am Vorgang Beteiligter bestätigt: Das Depfa-Management habe in den vergangenen Tagen bei verschiedenen Banken um Kredite gebeten, hätte diese allerdings nur zu "exorbitanten Preisen" erhalten können. "Das hätte bei der Depfa sofort zu einer weiteren Verschärfung der Liquiditätsprobleme geführt", so der Insider.

Auf Initiative der Bundesbank hätten sich daraufhin in der Nacht zum Montag die Topmanager etlicher Banken getroffen, um eine schnelle Lösung zu finden. Das Ergebnis: Die Deutsche Bank Chart zeigen, die Commerzbank Chart zeigen, die Dresdner Bank und diverse Landesbanken stellen der Depfa die Kreditlinie in Höhe der 35 Milliarden Euro zur Verfügung. Mit diesem Rettungspaket, so heißt es, sei die Depfa "bis zur 2. Hälfte des Jahres 2009 finanziert.

"Keinen Funken an Vertrauen mehr"

"Wenn es tatsächlich die 35 Milliarden Euro sind, dann dürfte das erstmal ausreichen", sagt Bankenanalyst Manfred Jakob von der SEB Bank. Auch er meint: "Weil nahezu alle Teilmärkte im Geld- und geldmarktnahen Bereich aktuell kaum mehr handelbar sind, können sich Hypobanken zur Zeit nicht über Märkte refinanzieren."

Andere Branchenkenner reagierten schockiert auf die dramatische Krise des Unternehmens und forderten personelle Konsequenzen: "Wir haben keinen Funken an Vertrauen mehr in das gegenwärtige Managementteam", sagte LBBW-Experte Martin Peter. Es müsse dringend einen Umbruch geben. Schon Anfang 2008 war Firmenchef Georg Funke wegen völlig überraschender Abschreibungen in die Kritik geraten. Die HRE sei so gut wie nicht betroffen und werde gestärkt aus der Krise hervorgehen, hatte das Unternehmen zuvor immer wieder erklärt.

LBBW-Analyst Peter kritisiert, dass Finanzchef Markus Fell noch vor wenigen Tagen bei einer Investorenkonferenz die Refinanzierung der Tochter Depfa als stabil bezeichnet hatte. Das sei "unfassbar". Ein Sprecher der Bank sagte, der Aufsichtsrat habe sich klar zu Funke bekannt.

Im Einzelnen sieht der Plan vor, dass die Garantie in zwei Teile von 14 Milliarden Euro und von 21 Milliarden Euro aufgespalten werden soll. Für den ersten Teil übernähmen die Banken 60 Prozent der Garantie und der Staat 40 Prozent. Für den zweiten Teil von 21 Milliarden Euro trete der Staat allein ein.

Eine ziemlich große Rechnung also, die da auf den deutschen Steuerzahler zukommt.

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