Von Matthias Kaufmann und Nils-Viktor Sorge
Hamburg - Leerverkäufe sind ein Werk des Teufels. Eine Geschichte vom 11. September 2001 belegt diese Sichtweise. Als damals vier Verkehrsflugzeuge von Al Qaida als fliegende Bomben missbraucht wurden und die Zerstörung des New Yorker World Trade Centers ein Fanal des Terrors setzte, sollen die islamistischen Drahtzieher nebenbei noch Geld verdient haben.
Schließlich wussten sie ja, dass Aktien von Airlines und Rückversicherern sowie von den Banken, die im World Trade Center residierten, nach den Anschlägen im Wert fallen würden. Mit diesem Wissen könnte jeder leicht Gewinne einstreichen, durch die Preisdifferenz dieser Papiere vor und nach den Terroranschlägen. Tatsächlich wurde an den Finanzmärkten in jenen Tagen eine höhere Aktivität bei Leerverkäufen und Optionsgeschäften verzeichnet.
Allerdings litten die Märkte vorher schon unter Rezessionsängsten. Ob die US-Behörden die These von den satanischen Geschäften der Gotteskrieger beweisen konnten, ist nicht überliefert. Vielleicht ist sie auch bloß eines der zahllosen Gerüchte, die nach dem 11. September kursierten.
Terroristenführer Osama bin Laden ist damit aber der bekannteste Investor, der in der jüngeren Vergangenheit als sogenannter Leerverkäufer verdächtigt wurde. Heute, in den Tagen der schlimmsten Finanzkrise seit Jahrzehnten, gerät die Spezies der Shortseller erneut ungewollt in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit.
Lehman Brothers
, Merrill Lynch
und nun auch Morgan Stanley
- eine Traditionsbank nach der anderen gerät an der Wall Street
ins Wanken. Die Leerverkäufer stehen im Verdacht, daran eine erhebliche Mitschuld zu tragen.
"Wir stecken mitten in einem Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist", beschwerte sich jetzt Morgan-Stanley-Boss John Mack. Die Aktien seines Hauses waren am Mittwoch um 24 Prozent eingebrochen, obwohl es kurz zuvor noch einen
Gewinn gemeldet hatte, der nur geringfügig zurückgegangen war - und das in Zeiten, in denen andere Investmentbanken wie Lehman Brothers kollabieren. Auch die Aktien des Branchenprimus Goldman Sachs
gerieten trotz schwarzer Zahlen zuletzt immer wieder unter Druck.
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