Donnerstag, 9. Februar 2012, 20:47 Uhr

manager magazin



23.08.2008
 

Robert Mundell

"Europa hat es schlecht erwischt"

Von Karsten Stumm, Lindau

Die Europäische Zentralbank muss Kritik einstecken. Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum die jüngste Zinserhöhung ein Fehler war, wie sich die Euro-Banker versehentlich zur Konjunkturstütze Amerikas machten und warum bald ein neues Weltwährungssystem entstehen könnte.

mm.de: Herr Mundell, Europas Zentralbanker wissen zu überraschen. Mitten in einer Phase, in der fast überall die Zinsen gesenkt werden, haben Europas Währungshüter ihre Leitzinsen im Juli angehoben. War das clever?

  Robert Mundell  (Jahrgang 1932) ist einer der profiliertesten Ökonomen, die über Geld und Währung forschen. Der Kanadier ist Professor der New Yorker Columbia-Universität. 1999 ehrte ihn die schwedische Reichsbank mit dem Wirtschaftsnobelpreis für seine Theorie optimaler Währungsräume. Mit diesem Werk zählt Mundell zu den Vordenkern des Euro.
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Christian Flemming

Robert Mundell (Jahrgang 1932) ist einer der profiliertesten Ökonomen, die über Geld und Währung forschen. Der Kanadier ist Professor der New Yorker Columbia-Universität. 1999 ehrte ihn die schwedische Reichsbank mit dem Wirtschaftsnobelpreis für seine Theorie optimaler Währungsräume. Mit diesem Werk zählt Mundell zu den Vordenkern des Euro.

Mundell: Es war alles andere als das, es war ein Fehler. Aus Furcht vor Inflation durch starke Lohnsteigerungen speziell in Deutschland haben sie damit den Amerikanern so richtig in die Karten gespielt: Der Eurokurs Chart zeigen sank infolge dieser Zinserhöhung nicht mehr so stark, wie es eigentlich die aktuelle Wachstumsschwäche Europas nahe legen würde. Deshalb muss Europas Wirtschaft gerade jetzt zu einem guten Teil ohne den Rückenwind sinkender Eurokurse auskommen. Dafür wurde Amerika der Export leicht gemacht. Und genau der zieht das Land gerade aus der Rezession.

mm.de: Eigentlich soll die Europäische Zentralbank doch für eine stabile Währung in Europa sorgen - und nicht für Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten, oder?

Mundell (lacht): Dieses Ziel steht meines Wissens in der Tat nicht in den Statuten der Frankfurter Notenbank. Europa hat es allerdings auch davor schon schlecht erwischt. Der Dollar war genau in der Phase stark, in der es Amerikas Wirtschaft gut ging.

Treffen der Nobelpreisträger


Seit 1951 begegnen sich in der bayerischen Bodensee-Stadt Lindau jährlich Nobelpreisträger für Chemie, Medizin und Physik und ausgewählte junge Wissenschaftler. Die Treffen wurden von Graf Lennart Bernadotte und zwei Lindauer Ärzten angeregt. Seit 2004 gibt es auch eine zweijährliche Tagung mit den Trägern des Nobelpreises für Wirtschaft, der seit 1968 von der schwedischen Reichsbank vergeben wird.

manager-magazin.de begleitet die diesjährige Tagung vom 20. bis zum 23. August als Medienpartner. 15 Nobelpreisträger haben sich in Lindau zusammengefunden.

Das offizielle Tagungsblog mit den Vorträgen der Ökonomen ist zu finden unter

http://palgrave.typepad.com/lindau/
Das half der Wirtschaft in Übersee, die Inflation unter Kontrolle zu behalten, weil beispielsweise für Ölimporte real vergleichsweise wenig zu bezahlen war. Amerikas Aufschwungphase wurde so stabilisiert. Und dann strichen die Amerikaner auch noch den Währungsvorteil im folgenden Abschwung ein.

mm.de: Weil der Dollar pünktlich abrutschte?

Mundell: Genau. Exakt in dem Moment, als Amerika in die Rezession abglitt. Das hilft den Vereinigten Staaten genau jetzt, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Nämlich durch günstige Exportbedingungen.

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