"Air Berlin muss abspecken"
Hunolds Sparprogramm geht vielen Analysten daher nicht weit genug. "Bei den Streckenkürzungen wird noch mehr kommen als die angekündigten 30 Prozent auf der Langstrecke.
Über kurz oder lang werden hier drastische Maßnahmen fällig, falls der Kerosinpreis auf hohem Niveau bleibt, und Air Berlin wird sich von einem Großteil seiner Langstrecke verabschieden", sagt Cheuvreux-Analyst Sebastian Kauffmann. Das Unternehmen müsse radikal schrumpfen, um zu überleben, sagt van Klaveren. "Sie müssen abspecken."
Air Berlin plant zunächst keine weiteren Kürzungen, wie Hauptvogel sagt. Die Fluggesellschaft hatte angekündigt, zum Winter 14 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge auszumustern, um Sprit zu sparen. Die erst kürzlich aufgenommenen Flüge nach China und die Verbindung von Düsseldorf nach New York werden gestrichen. Wie der Sommerflugplan 2009 aussehen werde, sei nicht absehbar, sagt der Sprecher.
Kursziel Null
Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn von zwölf Euro auf knapp vier Euro abgesackt. Und damit ist der Boden nach Ansicht der Investmentbank Dresdner Kleinwort (DKIB) noch nicht erreicht: Sie senkte ihr Kursziel am Donnerstag auf null. Trotzdem legte die Aktie am Donnerstag deutlich zu.
Der hohe Ölpreis führe zu einer enormen Kostensteigerung bei Fluglinien, schrieb DKIB-Analyst Andrew Evans in einer Studie vom Donnerstag. Vor diesem Hintergrund würden die Ticketpreise derzeit erhöht, was dem Experten zufolge die Nachfrage stark abschwächen und den Druck auf die Fluggesellschaften erhöhen dürfte, Kapazitäten zu verringern.
Nach den größeren Übernahmen der letzten Jahre habe Air Berlin in dieser Situation nun eine angegriffene Bilanzstruktur und die schlechtesten Ratings, fuhr der DKIB-Experte fort. Zudem weise Air Berlin unter allen von ihm beobachteten Fluggesellschaften die höchste Verschuldung auf. Bis 2009 dürfte zudem das Verhältnis zwischen Nettoschulden und Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen, Mieten und Zinsaufwendungen weiter zulegen. Bei seiner Analyse legte Evans einen zukünftigen Ölpreis in Höhe von 125 US-Dollar zugrunde.
Mögliche Übernahme?
Für Konkurrenten wäre Air Berlin zum Schnäppchen geworden. Trotzdem beißt keiner an. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand sie kauft. Es ist einfach zu riskant", sagt Analyst van Klaveren. Der hohe Ölpreis spreche dagegen. Fluggesellschaften wie Air France-KLM oder Lufthansa könnten einfach abwarten, bis kleinere Wettbewerber aufgäben.
Martina Noß von der NordLB schließt einen Verkauf dagegen nicht aus. Denkbar sei auch ein "starker Partner", der sich beteiligen könnte. Größter Aktionär ist mit 19 Prozent der US-Milliardär Leonard Blawatnik. Die Deutsche Bank, die über Fonds lange über 15 Prozent hielt, hat ihren Anteil sukzessive auf unter drei Prozent reduziert.
Vorerst bleibt nur die Hoffnung auf sinkende Kerosinpreise. Sollte der Ölpreis auf ein Niveau von etwa 80 Dollar je Fass sinken, habe das Unternehmen gute Chancen, sagt Hellgren. Es sei zu früh, ein Urteil über die Zukunft der Airline zu fällen, sagt Commerzbank-Analyst Frank Skodzik: "Man sollte sie noch nicht abschreiben."
manager-magazin.de mit Material von reuters
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