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27.06.2008
 

Nikolai Kondratjew

Die K-Frage

Von Arne Gottschalck

Die Wirtschaft verläuft in langen Wellen, erkannte Nikolai Kondratjew bereits vor gut hundert Jahren. Der einzige Nachteil seiner Theorie - niemand weiß, wann so eine lange Welle ins Rollen kommt. Und ob nicht der sechste Kondratjew unmittelbar bevorsteht.

Hamburg - Es klingt ein wenig nach den drei Fragezeichen, der Hörspielreihe jener drei Jungdetektive, die in den 80er Jahren deutsche Jugendzimmer bevölkerten und inzwischen wieder populär geworden sind. Die drei Fragezeichen und der sechste Kondratjew, das verspricht spannende Unterhaltung. Ist aber erlebte Geschichte.

Der Dauerbrenner: Kondratjews Therorie der Zyklen wirkt bis heute nach
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Der Dauerbrenner: Kondratjews Therorie der Zyklen wirkt bis heute nach

Bereits vor über hundert Jahren nämlich hat Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew herausgefunden, wie die Welt funktioniert. Genauer, wie die Wirtschaft funktioniert. Sie entwickelt sich in lang andauernden Zyklen, erkannte der Russe. Rund 50 Jahre dauert so ein Zyklus, der mit einer längeren Aufschwungphase beginnt und einer kürzeren Abschwungphase endet. Freilich hieß das damals noch nicht Kondratjew - gesprochen übrigens wie geschrieben.

Der Entdecker selbst sprach von der "Theorie der langen Wellen". Erst Joseph Schumpeter prägte 1939 den Begriff der Kondratjews und modifizierte die Theorie, deren Anfang er in einer sogenannten Basisinnovation sah. Einer Erfindung, die die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig prägt. Kondratjew sah neue Techniken nur als Folge der langen Wellen, nicht als deren Ursache. Und er sah in den Wellen die Folge von Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus. "Indem wir das Vorhandensein langer Wellen behaupten und ihre Entstehung aus zufälligen Ursachen bestreiten, meinen wir zugleich, dass die langen Wellen Ursachen entspringen, die im Wesen der kapitalistischen Wirtschaft liegen."

Fünf davon gab es bislang, so der Konsens. Die Ära der Dampfmaschine zum Beispiel, die den ersten Kondratjew - oder auch K - prägte, gefolgt von Eisenbahn und Dampfschiff sowie der Elektrotechnik und der Schwerindustrie als K zwei und drei. Es folgte die Automatisierung - der K vier - und als fünfter K das Zeitalter der Informations- und Kommunikationstechnik. Nun steht der sechste Kondratjew an. Was ihn prägen wird, darüber streiten die Experten. Rohstoffe? Möglich, denn immerhin wird dieses Gut immer bedeutsamer, spätestens seit China in der Industrialisierung angekommen ist. Oder sind es Branchen wie Gesundheit und Biotechnologie? Oder vielleicht doch die Molekulartechnik?

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