Von Arvid Kaiser
Hamburg - "Let's get physical", schlägt Paul Krugman vor. Nein, der streitbare Ökonom von der Universität Princeton möchte nicht mit seinen Kritikern intim werden. Was nach seinem Willen körperlich werden soll, sind vielmehr Beweise dafür, dass Spekulanten täglich Millionen Tonnen Öl auf die Seite schaffen.
Händler an der New Yorker Terminbörse Nymex: Sind ihre Auftraggeber schuld am teuren Öl?
Die offiziellen Statistiken zeigten aber, dass praktisch die gesamte Produktion bei den Verbrauchern landet und der Bestand in den Öllagern konstant bleibt. Große Ölvorräte ließen sich wohl kaum geheim halten. Krugmans Argument geht so: Keine geheimen Öllager, keine übertriebenen Preise auf dem Spotmarkt, wo der Treibstoff tatsächlich den Besitzer wechselt - da können sich Hedgefonds und andere Investoren, die den Ölpreis als nächste große Wette entdeckt haben, noch so sehr auf dem Terminmarkt austoben. Öl sei eben, anders als beispielsweise Gold
, in erster Linie eine Ware und kein Anlageobjekt.
Wenn die Futures auslaufen, muss jemand bereit sein, das Öl zu dem geforderten Preis zu nehmen. Für die Ölpreisrally liefert Krugman eine einfache Erklärung: Weder Angebot noch Nachfrage können sich kurzfristig an einen neuen Preis anpassen. Weil die Nachfrage seit Jahren schnell wächst, das Angebot damit aber nicht mithalten kann, muss der Preis steigen. Selbst kleinere Rückgänge des Angebots wie ein Streik auf schottischen Förderanlagen oder neue Anschläge in Nigeria sorgen dafür, dass Rohöl schnell teurer wird.
"Die Leute", denen Krugman so das grundsätzliche Verständnis der Gesetze von Angebot und Nachfrage abspricht, gehören allerdings vielfach zu denjenigen, die sich gut auf dem Markt auskennen sollten.
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