17.03.2008
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Finanzkrise

"Das ist der Flächenbrand"

Von Lutz Reiche

Die Investmentbank Bear Stearns hat sich verzockt, die US-Notenbank hilft. Dennoch herrscht Panik unter Investoren. Neue Hiobsbotschaften deuten sich an. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, warnt vor einer Crash-Situation wie 1929. Die Fed sei nicht mehr Herr der Lage.

mm.de: Herr Hellmeyer, die Krise im amerikanischen Finanzsektor spitzt sich zu. Die US-Notenbank senkte am Wochenende den Diskontsatz und verhinderte die Pleite der Investmentbank Bear Stearns Chart zeigen, die kurz zuvor noch Entwarnung gegeben hatte. Hat hier ein Vorstand die Unwahrheit gesagt oder kann sich die Liquiditätslage einer Bank innerhalb von 24 Stunden wirklich so dramatisch verschlechtern?

  Folker Hellmeyer  ist Chefanalyst der Bremer Landesbank
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Folker Hellmeyer ist Chefanalyst der Bremer Landesbank

Hellmeyer: Ich werde dem Vorstand von Bear Stearns nicht unterstellen, dass er die Unwahrheit gesagt hat. Aber der Liquiditätseinbruch innerhalb so eines kurzen Zeitraumes ist in der Tat sehr erstaunlich. Unabhängig davon belegt der Fall, mit welchem Tempo und welcher Dramatik sich die Situation an den Finanzmärkten zuspitzt.

mm.de: Es gibt erneut Gerüchte über die Aufspaltung der Citigroup Chart zeigen und dass sich Merrill Lynch Chart zeigen auf einen möglichen Liquiditätsengpass vorbereitet. Angeblich drohen jetzt auch dem Musterknaben Goldman Sachs Chart zeigen Milliardenabschreibungen. Sind das die Vorboten eines Flächenbrandes?

Hellmeyer: In meinen Augen sind mittlerweile Banken jeder Couleur von der Krise betroffen - und zwar weltweit. Insofern haben wir es mit einem Flächenbrand zu tun, den man jetzt zu löschen versucht.

mm.de: Die Fed hat am Wochenende geholfen, rechnen Sie mit weiteren Hilferufen US-amerikanischer Banken?

Hellmeyer: Wir gehen davon aus, dass die globale Finanzkrise erst zur Hälfte hinter uns liegt. Das heißt, wir werden in den kommenden Monaten sowohl in den USA als auch in Europa und anderen Regionen der Welt noch eine ganze Reihe von Banken sehen, die die Hilfe der Zentralbanken und des Staates in Anspruch nehmen müssen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie auf globaler Ebene eng miteinander vernetzt sind - insbesondere mit US-amerikanischen Instituten.

mm.de: Europaweit verlieren Bankentitel heute bis zu 10 Prozent und mehr. Reine Panikverkäufe oder auch berechtigte Sorge - etwa über die mögliche Pleite einer Großbank auf dem alten Kontinent?

Hellmeyer: Die derzeitigen Reaktionen sind verständlich. Denn es gibt ein unglaubliches Maß an Unsicherheit über die Aussagekraft der Bankbilanzen. Insofern sind die Kursverluste zugleich Ausdruck von Panik aber auch einer steigenden Risikoaversion der Anleger. Fakt ist, die andauernde Finanzkrise rät zu einer sehr vorsichtigen Haltung bei Finanztiteln. Gleichwohl halte ich panikartige Reaktionen in der Sorge um die Stabilität des globalen Wachstums derzeit nicht für angemessen.

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