Von Thomas Grüner
Jetzt keine Panikverkäufe
Während die zehnjährigen Renditen in den USA heute nur noch bei 3,45 Prozent notieren, bedeutet das im Umkehrschluss ein Kurs-Gewinn-Verhältnis dieser Anleihen von fast 29. Der marktbreite Aktienindex S&P 500
weist dagegen – je nach Gewinnschätzungen – lediglich ein Kurs-/Gewinnverhältnis von rund 15 auf. Aktien sind also das günstigere Investment.
Ganz klar, dieser Jahresstart hat auch uns überrascht. Aber jetzt gilt es überlegt zu reagieren und übertriebene Absicherungen oder gar breite Panikverkäufe auf diesem Kursniveau zu vermeiden. Denn fast alle crashartigen Bewegungen der vergangenen Jahrzehnte wurden schnell wieder korrigiert. Dagegen beginnen echte Bärenmärkte immer langsam und schleichend. Beispiele gefällig?
Denken Sie an das Jahr 2000. Damals hatte der Dax
ein Kurs-/Gewinnverhältnis von mehr als 30. Die zehnjährigen deutschen Staatsanleihen dagegen rentierten mit rund 6,5 Prozent, was umgerechnet ein Kurs-/Gewinnverhältnis von rund 15 bedeutete. Und damit waren Anleihen damals deutlich preiswerter als deutsche Aktien.
Im Moment aber ist es genau andersherum: Das Kurs-/Gewinnverhältnis an den Rentenmärkten ist derzeit fast doppelt so hoch wie an den Aktienmärkten. Um also die Situation des Jahres 2000 überhaupt erst wieder zu erreichen,müsste sich der Dax fast vervierfachen!
Und abschließend noch ein Wort zur heute bereits oft gehörten "Bärenmarktdefinition". Würde man die wörtlich nehmen, hätte der "Bärenmarkt" 1997 genau einen Tag gedauert. Nur am 28. Oktober 1997 wurde im Handelsverlauf ein Verlust von zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent im Dax verzeichnet. Behalten Sie also die Nerven – auch wenn das derzeit sicher schwer fällt.
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