Von Kai Lange
"Einstieg nur Schritt für Schritt"
Das Kursziel für den Dax hat Berndt Fernow, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, zu Jahresbeginn auf 7600 Punkte heruntergenommen. "Die Rezessionsdebatte hat den Dax mit Verspätung, aber auch mit Macht erreicht", sagt Fernow. Noch zum Jahresausklang 2007 sei das Rezessionsgespenst immer wieder von positiven Unternehmensnachrichten vertrieben worden. "Doch jetzt beherrscht das Thema den Markt. Jetzt trifft es alle."
Die Zeit der relativen Stärke des Dax, der im Gegensatz zum Dow auch defensive Versorger- und Telekomwerte enthält, ist nach Einschätzung von Fernow vorbei. Fondsprofis brächten Geld in Sicherheit: "Einen Verlust von 5 Prozent halten institutionelle Anleger in Deutschland bis zum Bilanzstichtag noch aus. Doch bei 10, 15 Prozent Verlust binnen weniger Wochen ist die Schmerzgrenze überschritten."
"Schrittweise vorgehen"
Einsteigen, wenn andere verkaufen müssen? Das Jahr 2008 werde noch einige Kaufgelegenheiten für antizyklische Investoren bieten, meint Fernow. Doch sei es besser, "schrittweise und langsam" Aktienbestände aufzubauen, statt alles auf eine Karte zu setzen. Den idealen Kaufzeitpunkt, das belegen Langzeitvergleiche, erwischt man "Schwankungen bleiben, die Probleme sind noch nicht ausgestanden. Deshalb sollte man nicht zu mutig sein", sagt der Analyst der LBBW.
Mit dem Platzen einer Kursblase wie in den Jahren 2001 und 2002 sei diesmal aber nicht zu rechnen. "Im Jahr 2000 gab es Überspekulationen in den Sektoren Mobilfunk und Internet, die zeitweise mehr als die Hälfte des Börsenwertes der europäischen Unternehmen ausmachten", sagt Fernow. "Diesmal hat der Markt in seiner gesamten Breite von einem zyklischen Konjunkturhoch profitiert." Die Konjunktur werde sich nun abkühlen - und dies werde sich auch in der Ertragslage der Unternehmen spiegeln. "Eine Abkühlung bedeutet aber nicht, dass es zwangsläufig zu massiven Gewinneinbrüchen kommt", so der Analyst.
Wer davon ausgehe, dass Unternehmen ihr Gewinnniveau im Jahr 2008 in etwa halten werden, könne bereits wieder einen Blick auf dividendenstarke Unternehmen werfen. "Die Dividendenrendite vieler Unternehmen übersteigt bereits wieder die Anleihenrendite - das spricht für Aktien", sagt Fernow. Doch auch er warnt davor, Hals über Kopf zu investieren: Dafür schlage der Markt derzeit zu hohe Wellen.
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